KMi-Talk zu Folgen durch Corona: Kein Weiterso bei Finanzierung der Krankenhäuser

21.07.2020, René Adler
KMi Nachrichten, Aktuelles aus dem Verlag

Kostenfreier Artikel aus der aktuellen KMi

Nach der Pandemie könne es mit der Finanzierung der Kliniken so nicht weitergehen – darin waren sich zwei Klinikmanager, ein Gesundheitsökonom und ein Unternehmensberater beim ersten virtuellen KMi-Talk – moderiert von Herausgeber Dr. Uwe K. Preusker – einig.

Die Freihaltepauschale sei anfangs zu hoch gewesen und mittlerweile zurecht ausdifferenziert worden, sagte Dr. Christian Heitmann, Partner und Leiter des Geschäftsbereichs Unternehmensberatung bei Curacon. Eher kleinere Häuser seien mit der Pauschale ganz gut zurechtgekommen, Spezialhäuser in Teilen, Psychiatrien sowieso. Doch die größeren Versorger mit über 600 Betten und einer hohen Komplexität hätten deutlich unterproportional profitiert. Für drei Viertel der Kliniken seien die Ausgleichszahlungen laut Umfrage des Deutschen Krankenhaus Instituts nicht ausreichend gewesen. Über 60 Prozent der Häuser mit Curacon-Prüfungsmandat hätten ein gesunkenes Jahresergebnis, davon 42 Prozent ein stark gesunkenes.

Für Prof. Dr. Andreas Beivers, Gesundheitsökonom der Hochschule Fresenius, führt kein Weg daran vorbei, das Vergütungssystem anzupassen, damit die Grund- und Maximalversorger in solchen Krisen nicht benachteiligt werden. Auch die Vorhaltekosten müssten anders finanziert werden, als „Daseinsvorsorge at its best“ könnten sie nicht nur per Case finanziert werden, müssten flexibler organisiert werden. Dabei müsse man Regionales mehr beachten und zentral Kapazitäten vorhalten, „die wir bei Bedarf schnell in die Regionen bringen können“.
 
Heitmann reicht es nicht, bestimmte Teile aus den DRGs herauszunehmen. Die Sektoren müssten verbunden werden, besonders im ländlichen Bereich sowie zwischen Fläche und Ballungsgebieten. Gerade in Ballungsgebieten müsse es weniger Kliniken geben.

„Die zukünftige Finanzierung muss uns mehr Steuerungsmöglichkeiten und mehr Zeit in der Umsetzung geben“, forderte Barbara Schulte, Geschäftsführerin Finanzen und Infrastruktur am Klinikum Region Hannover (KRH): „Wir brauchen ein Finanzierungssystem, das wesentlich unbürokratischer ist, das hat in der Pandemie gut geklappt.“ Rechnungen seien sogar früher als nach fünf Tagen von den Kassen bezahlt, Ärzte und Pflegepersonal extrem entlastet worden.
 
Dr. Nils Brüggemann, Vorstand der St. Franziskus-Stiftung Münster, betonte, es gebe schon bald wieder politischen Handlungsbedarf. Man werde nicht wieder alle alten Belegungsstände erreichen, deshalb sei die Frage, was ab dem 1. Oktober passiere, wenn die Freihalte-Pauschale auslaufe: „Das ist ein Thema, das uns deutlich bewegt.“ Zumal bei weiteren Ausbrüchen die Belegung wieder starke Einbrüche haben könne. „Das kann man nicht steuern, und da werden sicher gewisse Auffangmaßnahmen notwendig sein, um eine flächendeckende Versorgung aufrechtzuerhalten.“
 

Den digitalen KMi-Talk können Sie on demand kostenfrei in der medhochzwei Online-Akademie ansehen.


Weitere aktuelle Top-Informationen, Trends und Diskussionen finden Sie im Fachjournal Klinik Markt [inside].
Jetzt das Schnupperabo anfordern und informiert bleiben: alle 14 Tage eine neue Print- und Onlineausgabe, zusätzlich tagesaktuell die wichtigsten News per Newsletter.

Den Artikel zum KMi-Talk können Sie hier kostenfrei nachlesen.

 

Anzeige