Alzheimer Gesellschaft: Pflegende Angehörige einseitig mit Corona-Kosten belastet

24.07.2020, René Adler
Pflege, Demenz

Viele pflegebedürftige Menschen werden ein- oder mehrmals pro Woche für jeweils rund acht Stunden in Tagespflegeeinrichtungen betreut und aktiviert. Dies soll die pflegenden Angehörigen entlasten, die in dieser Zeit entweder einer Berufstätigkeit nachgehen oder neue Kraft für die Pflege zu Hause tanken können. Ohne dieses Entlastungsangebot sei die häusliche Pflege in vielen Fällen gar nicht dauerhaft zu leisten, so die Deutsche Alzheimer Gesellschaft (DAlzG). Doch genau dies sei in der Corona-Krise immer noch Realität.

Mitte März 2020 wurden die Tagespflegeeinrichtungen in ganz Deutschland wegen der Pandemie geschlossen. Von der Schließung der Einrichtungen seien die Pflegenden von einem Tag auf den anderen überrascht und vor die Situation gestellt worden, die Versorgung alleine sicherstellen zu müssen. Berufstätige hätten oftmals nur die Möglichkeit, unbezahlten Urlaub zu nehmen oder eine private Pflegeperson zu organisieren. Beides sei eine Frage der Finanzierung.
 
Hier sei das Pflegeunterstützungsgeld, das zunächst für zehn Tage zur Verfügung stand, die einzige Lohnersatzleistung, die berufstätige pflegende Angehörige in Anspruch nehmen könnten. Es sei zwar im Mai auf 20 Tage aufgestockt worden, doch weitere Unterstützung von Seiten der Bundesregierung gebe es für die pflegenden Angehörigen nicht, kritisierte die DAlzG. Die Leistung aus der Pflegeversicherung, die monatlich für die Nutzung der Tagespflege bereitgestellt werde, könne trotz der Corona-bedingten Schließung der Einrichtungen nicht für eine anderweitige Sicherstellung der Versorgung genutzt werden. Anders als beim Ausfall der Versorgung durch ambulante Pflegedienste habe der Gesetzgeber hier keinerlei Flexibilisierung vorgesehen. Die Tagespflegeeinrichtungen selbst hätten dagegen die Möglichkeit, sich ihre Mindereinnahmen von der Pflegekasse ersetzen zu lassen.
 
Monika Kaus bemängelte als 1. Vorsitzende der Deutschen Alzheimer Gesellschaft: „Hier werden pflegende Angehörige sehr einseitig mit den Kosten der Corona-Krise belastet. Gerade in dieser Zeit, in der Solidarität überall hochgehalten wird, werden die pflegenden Angehörigen wieder einmal völlig vergessen und alleine gelassen. Und dies, obwohl sie mit 75 Prozent den größten Teil der Pflegebedürftigen in Deutschland versorgen. Ohne sie wäre das System vollkommen überfordert.“ Nach wie vor seien nur wenige Plätze für Pflegebedürftige in Tagespflegeeinrichtungen verfügbar. Anders als bei der „Corona-Großwetterlage“ könne nicht von einer Entspannung die Rede sein.

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