Innovationsfondsprojekt SEAL: Wirksame Vermeidung von Leberschäden – Reduzierung von Patientenleid

31.07.2020, Dr. Monika Sinha, Welt der Krankenversicherung
Krankenversicherung, Heilberufe

Die Leber als lebenswichtiges Organ arbeitet und leidet still. Schwere Leberschäden können durch Infektionen mit Hepatitis C und B-Viren verursacht werden. Aber auch ungesunde Ernährung, wenig Bewegung und zu viel Alkohol können die Leber schädigen. Jeder vierte Bürger ist in Deutschland von einer nichtalkoholischen Fettleber betroffen. Darüber hinaus können seltene genetische Faktoren und die Einnahme bestimmter Medikamente zu Leberschäden führen. „Lebererkrankungen verlaufen meist über eine lange Zeit hinweg schmerz- und symptomlos. Zu Beginn weisen höchstens unspezifische Symptome wie Müdigkeit auf ein Problem mit der Leber hin“ erläutert Professor Dr. med. Frank Lammert, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS). Da das Problem der Leberschäden unterschätzt wird, schreiten die Leberschädigungen voran, es kann zu chronischen Verläufen mit Leberzirrhose kommen. Infolge von Leberzirrhose steigt das Risiko für ein Leberversagen und die Entstehung von Leberkrebs. Experten fordern daher, dringend die Awareness für unbehandelte Leberschäden zu erhöhen, denn die durchschnittliche Lebenserwartung der Patienten mit Leberzirrhose ist zehn bis zwanzig Jahre niedriger als in der Gesamtbevölkerung.

Mit der SEAL Studie (Strukturierte Früh-Erkennung einer asymptomatischen Leberzirrhose) in Rheinland-Pfalz und im Saarland wird eine valide Datengrundlage geschaffen für die Früherkennung von Leberschäden im Rahmen des Gesundheitscheck-Up 35. Die Früherkennungs-Prozesse entsprechend der SEAL Studie sind wie folgt: Die über 35jährigen Versicherten der AOK Rheinland-Pfalz sollen im Rahmen des medizinischen Check-Ups ihre persönlichen Leber-Risikowerte bestimmen lassen. Wenn der Hausarzt/die -ärztin auffällige Leberwerte feststellt, überweist er den Patienten/in an einen Facharzt/-ärztin für eine weitergehende Diagnostik zur Abklärung von Gewebeveränderungen. Erhärtet sich der Verdacht, übernimmt ein Leberzentrum die Absicherung der Diagnose und leitet frühzeitig die Behandlung einer nichtalkoholischen Fettleber ein. Alle beteiligten Professionen Hausarzt-Facharzt und Leberzentrum sind mittels moderner Informationstechnologie über alle Untersuchungsergebnisse auf einer Online-Plattform informiert. Durch Lebensstiländerung oder bei Virusinfektionen durch Medikamenteneinnahme kann der nichtalkoholischen Fettleber gegengesteuert werden. Nach Abschluss der SEAL Studie wird die Wirksamkeit des Leberwert-Screenings im Rahmen des medizinischen Check-Ups 35 evaluiert: Wurden tatsächlich mehr frühe Fälle von Leberzirrhose detektiert und behandelt und konnten mit der neuen Versorgungsform auch Folgekosten eingespart werden. SEAL wird für vier Jahre mit 2,7 Millionen Euro vom Innovationsfonds gefördert. Im Erfolgsfall lassen sich die SEAL Versorgungskomponenten und Ergebnisse auf andere Regionen und die interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen Hausärzten, Fachärzten und Hochschulambulanzen auf andere Krankheitsgebiete übertragen. Weitere Informationen unter https://www.lebervorsorge.de/seal/web/ und https://innovationsfonds.g-ba.de/projekte/neue-versorgungsformen/seal-strukturierte-frueh-erkennung-einer-asymptomatischen-leberzirrhose-in-rheinland-pfalz-und-im-saarland.74

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