BPtK: Im Falle einer zweiten Corona-Welle Psychische Belastungen stärker beachten

15.09.2020, medhochzwei
Psychotherapie, Coronavirus, Politik & Wirtschaft

Die erste Welle der Corona-Pandemie hatte, so die Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK), massive soziale und psychische Konsequenzen. Vor allem die Kontakt- und Ausgangssperren und deren Folgen hätten viele Menschen überfordert. Bei einer zweiten Corona-Welle müsse daher stärker auf die elementaren Bedürfnisse nach Kontakt, insbesondere von Kindern und Jugendlichen, aber auch von Pflegebedürftigen, Rücksicht genommen werden. BPtK fordert deshalb zusätzliche Schutzkonzepte bei einer zweiten Corona-Welle für besonders gefährdete Menschen. Grundlegendes Element davon müsse sein: „Wir müssen in Kontakt bleiben!“

„Menschen brauchen Kontakt und Nähe. Beides sind wesentliche Ressourcen, auch große Belastungen zu ertragen“, so BPtK-Präsident Dr. Dietrich Munz. Bei einer zweiten Corona-Welle könnten diese Schutzfaktoren aber erheblich an Wirkung verlieren. Je länger Krisen, Konflikte und lebensgefährdende Ereignisse dauerten, desto eher seien die psychischen Widerstands- und Regenerationskräfte überfordert und es könne zu psychischen Erkrankungen kommen.

So sei eine ersatzlose längere Schließung von Kitas und Schulen sowohl für die Kinder und Jugendlichen als auch für die Eltern nicht tragbar. Aber auch für die Coronakranken selbst und ihre Angehörigen müssten neue Wege gefunden werden, trotz Ansteckungsgefahr in Kontakt zu bleiben.

Für gefährdete und erkrankte Menschen bedürfe es bei einer zweiten Welle dringend eines besseren Informations- und Beratungsangebots, das helfe, die Pandemie möglichst psychisch gesund durchzustehen. Dafür seien Internetangebote wichtig, aber auch persönliche telefonische Beratung. Deshalb müsse Psychotherapeut*innen die telefonische Beratung und Behandlung von Patient*innen aller Altersgruppen ermöglicht werden, um Hilfsbedürftige überhaupt erreichen zu können.

Kinder und Jugendliche seien durch die Schließung von Kitas, Schulen, Spielplätzen und Sportvereinen schwer belastet gewesen. Über das reine Home-Schooling hinaus sei bei einer zweiten Welle daher ein Betreuungs- und Kontaktangebot zu schaffen, das Kindern und Jugendlichen in stabilen kleinen Gruppen persönliche Nähe und Austausch ermögliche. 

In der ambulanten und stationären Altenpflege müsse eine totale Isolierung vermieden werden. Dafür sei ein Präventionskonzept nötig, das mit dem Öffentlichen Gesundheitsdienst zu entwickeln sei. Sowohl beim Öffentlichen Gesundheitsdienst als auch in den Pflegeeinrichtungen herrsche aber schon jetzt Personalmangel. Hygienekonzepte, Teststrategien und Notfallpläne zu entwickeln und umzusetzen, sei nur möglich, wenn entsprechende personelle und finanzielle Ressourcen vorhanden seien. Auch Besuchsräume, feste Gruppen (Personal und Bewohner*innen) und ausreichend Zeit, um demenzkranken Bewohner*innen Veränderungen zu erklären und sie einzuüben, müssten zum Standard gemacht werden. Die Angst der Pflegeheimbewohner*innen vor einer Erkrankung und eventuelle traumatische Erfahrungen bei einer Erkrankung ließen sich initial vielleicht nicht vermeiden. Es gelte aber, angemessen darauf zu reagieren. Anspruch auf Beratung und psychotherapeutische Behandlung hätten Menschen unabhängig von ihrem Alter. Der Zugang zur psychotherapeutischen Versorgung müsse für sie auch in den Pflegeeinrichtungen gewährleistet sein.

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