2. Welttag der Patientensicherheit: APS fordert mehr Patientensicherheit und mehr Kooperation

17.09.2020, Dr. Monika Sinha, Welt der Krankenversicherung
Pflege, Heilberufe

Angesichts der Veränderungen, die das SARS-CoV-2-Virus in der Gesellschaft, im individuellen Alltag und Miteinander ausgelöst hat und für die Gesundheitssysteme bedeutet, hat die WHO den 2. Welttag der Patientensicherheit unter das Motto gestellt: Safe health workers, safe patients. 

Vorstandsvorsitzende des APS, Dr. Ruth Hecker, betonte, die Krise hätte in kürzester Zeit enorme Anpassungen von allen Akteuren im Gesundheitssystem verlangt, aber auch Sollbruchstellen in Vorsorge und Versorgung sehr deutlich zutage treten lassen: Verschobene oder ausgefallene Facharzt- und Operationstermine, Versorgung an der Haustür und Lücken bei poststationärer Versorgung, wie z. B. bei der Rehabilitation. Der Rückgang der Versorgung um bis zu 40 Prozent könnte in seinen Folgen für die Versorgung chronisch Kranker noch gar nicht genau abgeschätzt werden.

Constantin Grosch, stellvertretender APS Vorstandsvorsitzender und selbst von einer chronischen Muskelerkrankung Betroffener, dankte allen Beteiligten nochmals für ihren großen Einsatz während der akuten Corona-Krise. Er stellte auch heraus, wie er und alle chronisch Kranken – neben der Unterstützung durch Angehörige – essentiell von einer stabilen, sicheren medizinischen und pflegerischen Versorgung abhängig wären. Häufig verliefen chronische Erkrankungen in Schüben, die unbehandelt oder verspätet behandelt zu noch mehr Funktionsverlusten, Schmerzen und geringerer Lebensqualität führten, also mehr Leid und Not für die Patient*innen und häufig auch für ihre Angehörigen bedeuten. Es gäbe keine Stelle, die systematisch diese Versorgungslücken aufarbeiten und Maßnahmen für die Patientensicherheit ableiten würde. Prof. Dr. Strametz, Generalsekretär des APS unterstrich, dass in der Krise und der damit verbundenen hohen Belastungen für die Mitarbeiter*innen ihr Stresserleben zu Traumatisierungen bei Fehlbehandlungen führen und sie zu second victims werden könnten. Neben persönlicher Schutzausrüstung (Masken, Visiere, Kittel) sei die "psychische Schutzausrüstung" von hoher Bedeutung: Eine Führungskultur mit Fokus auf Mitarbeitersicherheit und Resilienz, proaktive psychosoziale Unterstützung und sach- und lösungsorientierte Aufarbeitung kritischer Fälle mit abgeleiteten Lernprozessen. Mitarbeitersicherheit bedeute Patientensicherheit, so Dr. Ruth Hecker und Prof. Dr. Strametz.1

Die Vorstandsvorsitzende des APS machte eindrücklich deutlich, es müssten auf allen Ebenen in der Patientenversorgung, Kriterien der Patientensicherheit nicht nur „irgendwie mitgedacht werden“ sondern transparent Eingang bei Entscheidungen finden. Das APS hätte vielfältige Handlungsempfehlungen in AGs „aus der Praxis – für die Praxis“ entwickelt.2 Besonders hob sie die aktuellen Handlungsempfehlungen für Patient*innen zur Sepsis hervor. Anlässlich des Welttages der Patientensicherheit würden trotz Corona-Krise etliche Aktionen und Projektdarstellungen zur Patientensicherheit stattfinden können.3 Eine kluge Digitalisierung und Kooperation zwischen den Akteuren und über Versorgungssektoren hinweg sei besonders wichtig. Die Gesundheitspolitik möge dies verstärkt in den Blick nehmen, so ihr Appell.

 

1 www.aps-ev.de
2 www.aps-ev.de/handlungsempfehlungen
3 www.tag-der-patientensicherheit.de

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