BPtK unterstützt „Offensive Psychische Gesundheit“

12.10.2020, medhochzwei
Psychotherapie, Politik & Wirtschaft

Psychische Erkrankungen in der Arbeitswelt werden noch immer erheblich unterschätzt, erklärte jetzt die Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK). Dabei würden sie jährlich Milliarden an Lohnfortzahlung und Krankengeld kosten. Im Jahr 2018 hätten aufgrund psychischer Erkrankungen Beschäftigte an 90 Millionen Tagen in ihren Betrieben gefehlt. Psychische Erkrankungen seien außerdem für rund 42 Prozent der Frührenten aufgrund langfristiger Arbeitsunfähigkeit verantwortlich. Dieser Anteil habe sich in den letzten 25 Jahren fast verdreifacht. Sie seien damit die häufigste Ursache für Renten wegen Erwerbsminderung. Depressive Störungen verursachten dabei fast 20 Prozent aller Frührenten.

Die BPtK begrüßte deshalb den Start der „Offensive Psychische Gesundheit“, die vom Bundesarbeitsministerium angestoßen wurde. „Gerade in der Arbeitswelt gelten psychische Erkrankungen noch häufig als Leistungs- und Willensschwäche. Wir brauchen endlich DAX-Vorstände, die über ihre psychische Erkrankung berichten“, forderte BPtK-Präsident Dr. Dietrich Munz.

„Vor allem andauernde Belastungen und Konflikte am Arbeitsplatz können zu chronischer Erschöpfung, Depressionen oder Suchterkrankungen führen“, stellte Munz fest. „In den Betrieben sind psychische Erkrankungen zwar inzwischen ein anerkannter Kosten-, aber noch längst kein Kommunikationsfaktor. Es fehlt ein offener und zugewandter Umgang mit psychisch angeschlagenen Kolleg*innen. Konkurrenz- und Karrieredenken verhindern noch zu oft, dass sich psychische Beschwerden eingestanden werden.“

Die „Offensive Psychische Gesundheit“ ist eine Initiative des Bundesarbeits-, Familien- und Gesundheitsministeriums und über vierzig Akteur*innen, darunter Fach- und Patientenverbände, Sozialpartner*innen, Versicherungsträger*innen und Präventionsanbieter*innen. Angestoßen wurde sie durch das Ministerium.

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