Pflegepersonaluntergrenzen sollen ab 2021 für vier weitere Bereiche gelten

12.10.2020, medhochzwei
Politik & Wirtschaft, Pflege, Management

Laut dem jetzt vorliegenden Entwurf der „Verordnung zur Festlegung von Pflegepersonalunter­grenzen in pflegesensitiven Bereichen in Krankenhäusern für das Jahr 2021“ sollen zu Bebginn des kommenden Jahres Pflegepersonaluntergrenzen in vier weiteren Bereichen eigeführt werden.

Hinzukommen sollen die Innere Medizin, die Allgemeine Chirurgie, die Pädiatrie und die pädiatrische Intensivmedizin. Das Bundesgesundheitsministerium (BMG) merkte an, dass die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) und der GKV-Spitzenverband eigentlich bis Ende August neue pflegesensitive Bereiche festlegen sollten – da dies nicht geschehen sei, werde man die neuen Regelungen nun per Ersatzvornahme erlassen. 

Die DKG kritisierte den Verordnungsentwurf scharf. Damit werde die Chance vertan, eine sachgerechte und am Patientenwohl orientierte Personalbemessung in Krankenhäusern einzuführen. Die nun vorgesehene Ausweitung auf die Bereiche Innere Medizin, die Allgemeine Chirurgie und die Pädiatrie sei in dieser Phase absolut unverständlich. „Bis vor wenigen Wochen waren die schon bestehenden Untergrenzen noch ausgesetzt, damit sich die Krankenhäuser in der Pandemie mit allen verfügbaren Kräften ohne bürokratische Vorgaben auf ihren Versorgungsauftrag konzentrieren konnten. [...] Alle stimmen aber darin überein, dass eine Überlastung der Kliniken verhindert werden muss. Jetzt auch noch eine Ausweitung der PPUG, insbesondere auf die Innere Medizin und damit fast das ganze Krankenhaus mit Untergrenzen zu belegen, steht in einem absoluten Widerspruch zur Pandemie-Lage. Das wird die Flexibilität der Krankenhäuser erheblich beschränken“, so DKG-Präsident Dr. Gerald Gaß. Seit Monaten liege dem Gesundheitsministerium mit dem Pflegepersonalbemessungsinstrument PPR 2.0 ein besseres, unbürokratischeres Instrument vor, so die DKG. Leider gebe es im Ministerium keinerlei Bewegung, dieses Instrument gesetzlich umzusetzen. Die Untergrenzen seien ein von Misstrauen geprägtes starres Instrument, das weder den Patienten noch den Pflegekräften helfe.

So sollen die Untergrenzen in den neuen Bereichen konkret aussehen: in der Allgemeinen Chirurgie soll ein Betreuungsschlüssel Pflegekraft/Patienten von 1:10 in der Tagschicht gelten, in der Nachtschicht 1:20. In der Inneren Medizin 1:10 in der Tagschicht, 1:22 in der Nachtschicht. In der Pädiatrie sollen die Untergrenzen bei 1:5 in der Tagschicht und bei 1:9 in der Nachtschicht und in der pädiatrischen Intensivmedizin bei 1:2 in der Tagschicht und 1:3 in der Nachtschicht liegen.

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