Neue Studie: Sexuelle Zufriedenheit nimmt mit dem Alter nicht ab

26.10.2020, René Adler
Hintergrund

Älter sein gleich tote Hose? Was ein Vorurteil jüngerer Menschen sein mag, trifft zumindest qualitativ nicht zu: Sexuelle Zufriedenheit nimmt mit dem Alter nicht ab, zeigen erste veröffentlichte Ergebnisse der Studie „Gesundheit und Sexualität in Deutschland – GeSiD“, die Forschende des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) zusammen mit dem Sozialforschungsinstitut KANTAR und mit Unterstützung der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) durchgeführt haben. Dafür wurden 4.955 Erwachsene im Alter von 18 bis 75 Jahren umfassend zu sexualbezogenen Themen befragt. Genauere Zahlen sollen in den kommenden Monaten bekanntgegeben werden.

Bei der Befragung gaben 80,4 Prozent der Männer und 72,1 Prozent der Frauen an, im vergangenen Jahr mindestens einen Sexualkontakt gehabt zu haben. Die sexuelle Aktivität ist in den mittleren Altersgruppen am stärksten, die Zufriedenheit nimmt aber mit dem Alter nicht ab. Bestätigt findet sich eine geringere sexuelle Aktivität mit länger dauernder Partnerschaft. Auch selbstberichtete psychische und physische Belastungen gehen oft mit erheblichen Belastungen des Sexuallebens einher. Bei Befragten, die ihren Gesundheitszustand als mittelmäßig und schlecht beschreiben, ist die sexuelle Aktivität wie auch die sexuelle Zufriedenheit gegenüber Befragten mit einem guten Gesundheitszustand deutlich reduziert.
 
Fast die Hälfte der Frauen und rund ein Drittel der Männer erlebten im zurückliegenden Jahr sexuelle Beschwerden. Zu einer stark beeinträchtigenden sexuellen Dysfunktion kam es bei 13,3 Prozent der sexuell aktiven Männer (am häufigsten erektile Dysfunktion mit 6,6 Prozent und verfrühte Ejakulation mit 4,5 Prozent) und bei 17,5 Prozent der sexuell aktiven Frauen (am häufigsten vermindertes sexuelles Verlangen mit 6,9 Prozent und Orgasmusstörungen mit 5,8 Prozent). In den höheren Altersgruppen der Männer nahm die erektile Dysfunktion zu, der frühzeitige Samenerguss ab. Orgasmusstörungen kamen bei Frauen etwa doppelt so häufig vor wie bei Männern.
 
Mit den Themenbereichen sexuelles Verhalten, Einstellungen zur Sexualität, Liebe und Partnerschaft, sexuelle Lust und Zufriedenheit, Schwangerschaften, sexuelle Funktionsstörungen, sexuell übertragbare Infektionen (STI) und Erfahrungen mit sexueller Gewalt deckt der GeSiD-Fragebogen ein sehr breites Spektrum sexualitätsbezogener Fragestellungen ab. Die Studie soll als wichtige Voraussetzung für die Planung qualitätsgesicherter Gesundheitsförderung, Prävention und Versorgung im Kontext von Sexualität und auch dem wissenschaftlichen Diskurs zu Gesundheit und Sexualität in Deutschland dienen.

 

Anzeige