Neues Bündnis für geschlechtergerechte Verteilung von Betreuung und Pflege

26.10.2020, René Adler
Pflege, Politik & Wirtschaft

Von diesem Begriff dürften viele von Ihnen noch nicht gehört haben: Gender Care Gap. Er steht für die Lücke in der unbezahlten Sorgearbeit zwischen den Geschlechtern in Privathaushalten. Wissenschaftliche Studien bestätigen die Sorgelücke: Deutsche Frauen wenden im Durchschnitt täglich anderthalb Stunden mehr für Sorgearbeit auf als Männer. Der Gender Care Gap beträgt damit 52 Prozent, in Paarhaushalten mit Kindern sind es sogar 83 Prozent.

Insbesondere die Betreuung und Erziehung von Kindern, Hausarbeit sowie Unterstützung und Pflege von Familienangehörigen sind nicht gerecht verteilt. Frauen erledigen den Großteil dieser Tätigkeiten. Die wirtschaftlichen und sozialen Folgen dieser Arbeitsteilung sind schwerwiegend: Die Einkommen von Frauen sind häufig deutlich niedriger als die von Männern.
 
Weil ihnen noch immer oft die Rolle des Familienernährers zufalle, fehle Männern nicht selten die Zeit, Sorge- und Hausarbeit sowie Pflegearbeit für Familienangehörige zu übernehmen. Die beruflichen Entwicklungsperspektiven von Frauen sind laut Studien oft begrenzt, bei Trennung oder im Alter seien sie finanziell häufig nicht ausreichend abgesichert.
 
Die geschlechtliche Arbeitsteilung entspreche nicht mehr den Lebensvorstellungen vieler Paare. Unabhängig vom eigenen Geschlecht wollten Frauen und Männer sowohl private Sorgearbeit und Sorgeverantwortung übernehmen als auch den eigenen Lebensunterhalt verdienen können.
 
Um diesen Wunsch zu stärken und geschlechterstereotype Hindernisse abzubauen, hat sich das Bündnis „Sorgearbeit fair teilen“ gegründet. Darin engagieren sich Vertreterinnen und Vertreter aus Kirchen, Gewerkschaften, Frauen-, Männer- und Sozialverbänden sowie aus Selbsthilfeorganisationen und Stiftungen für gleiche Verwirklichungschancen für alle Geschlechter. „Sorgearbeit ist von hohem gesellschaftlichem Wert und soll zwischen den Geschlechtern fair verteilt sein. Dafür setzt sich unser Bündnis ein“, erklärten sie gemeinsam, u. a. das Bundesforum Männer e.V. und der Verband alleinerziehender Mütter und Väter e.V.

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