IGES-Studie: Jeder zweite Deutsche fühlt sich bei der Arztsuche unzureichend informiert

25.11.2020, Rolf Stuppardt, Welt der Krankenversicherung
Krankenversicherung

Fast jeder zweite Bundesbürger fühlt sich bei der Arztsuche unzureichend informiert. Notwendig erachtete Angaben über Praxen müssen häufig mühsam im Internet zusammengesucht werden oder fehlen ganz. Auch Arztsuchportale empfinden viele als verbesserungsbedürftig.

Am hilfreichsten für die Arztwahl sehen Patienten persönliche Empfehlungen und Bewertungen anderer Patienten an. Experten fordern daher, Arztsuchen im Internet verbraucherfreundlicher zu gestalten. Wichtig seien dabei die Urteile anderer Patienten, weil sie oft die einzige Informationsquelle über die Qualität eines Arztes sind.

Ein vom IGES Institut entwickelter Prototyp soll als Checkliste eine informierte Arztsuche im Web fördern. Das ist das Fazit einer digitalen Fachtagung des IGES Instituts in Kooperation mit dem Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz (BMJV) am 13. November. Auf der Veranstaltung wurde eine vom BMJV geförderte IGES-Studie zum Thema „Transparenz in der vertragsärztlichen Versorgung“ vorgestellt. Darin sind Ergebnisse einer repräsentativen Befragung von mehr als 2.000 Personen eingeflossen, die zu ihrer Arztsuche interviewt wurden.

„Die Studie zeigt, dass Verbraucher neben persönlichen Empfehlungen gezielt nach offenen Patientenbewertungen im Netz suchen und sich zutrauen, diese subjektiven Eindrücke richtig zu interpretieren“, erläuterte die Studienautorin und Projektleiterin am IGES, Iris an der Heiden. „Freifeld-Eingaben helfen Suchenden vor allem dabei, die persönliche Kompetenz und die Kommunikationsfähigkeit des Arztes zu beurteilen.“

Ergänzend seien objektive Angaben zur fachlichen Qualifikation eines Arztes hilfreich, die über die reine Nennung der Fachausrichtung hinausgehen. Dies leisten etwa Informationen über die Behandlungshäufigkeit von bestimmten Krankheiten.

Auch der Vorstandsvorsitzende der Siemens-Betriebskrankenkasse (SBK), Dr. Hans Unterhuber, verweist auf die seiner Ansicht nach noch immer unterschätzter Urteilsfähigkeit der Patienten und Patientinnen: „Patientenerfahrungen tragen entscheidend dazu bei, die Qualität eines Arztes transparenter zu machen. Das unterstützt andere Patienten bei der Arztsuche und fördert die kontinuierliche Qualitätsverbesserung der ärztlichen Versorgung.“ Dabei müsse die gesamte Patienten Journey inklusive des Zugangs zur ärztlichen Versorgung in den Blick genommen werden. Wie wichtig die richtige Arztwahl für eine dauerhafte Behandlung und damit effiziente Gesundheitsversorgung ist, zeigt ein weiteres Befragungsergebnis der Studie: So denkt jeder dritte Patient über einen Arztwechsel nach, weil er mit der Behandlung unzufrieden ist, ein Arzt ihm nicht weiterhelfen konnte oder er eine besser erreichbare Praxis sucht. Weitere Informationen finden Sie hier.

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