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Wissen generieren, Vertrauen schenken, Debatten zulassen, voneinander lernen

„Wenn die Bürger Vertrauen in ihren Staat besitzen, dann hilft das in einer solchen Krise absolut,“ sagte Kanzleramtsminister Helge Braun dieser Tage in einem Interview einer großen Sonntagszeitung. Ich hatte, bevor ich das las, gerade mit einem Bekannten in Schweden telefoniert und fragte mich nun, wie es denn wohl mit dem Vertrauen der Politik in die Selbstverantwortung der Bürgerinnen und Bürger bestellt ist.


Schweden und Deutschland haben derzeit in etwa die gleichen Reproduktionszahlen (unter 1), sie ähneln sich in den strategischen Zielbestimmungen, den Anstieg der Infektionen zu verzögern, medizinische Ressourcen nicht zu überlasten, Abstandsregeln einzuhalten, Hände zu waschen, Kontakte zu vermeiden und Ähnliches mehr. Schweden hat aber zu keinem Zeitpunkt einen Lockdown in Erwägung gezogen. Für Restaurants gelten begrenzende Auflagen und die strengsten Maßnahmen sind das Verbot von Versammlungen von mehr als 50 Personen und ein Besuchsverbot in Pflegeheimen, allerdings erst ab April, was inzwischen als Fehler eingeräumt wird, da rund 40 Prozent der Todesfälle aus derartigen Einrichtungen gemeldet werden.

Der fundamentale Unterschied scheint mir in der Vertrauensrichtung zu liegen. Die schwedische Politik hat darauf vertraut und dies entsprechend massiv kommunikativ begleitet, dass die Bürger und Bürgerinnen sich an die Präventions- und Hygiene-Regeln in eigener Verantwortung halten. Nun ist die geografische Struktur des Staates schon wegen der viel geringeren räumlichen Agglomerationen mit der Dichte Deutschlands nicht zu vergleichen, und es bleibt immer noch abzuwarten, ob diese Top-Down-Vertrauensstrategie am Ende erfolgreich sein wird. Doch unter der Maßgabe, voneinander zu lernen, finde ich dies beachtenswert. So weist z. B. die Philosophie des Chef-Virologen Anders Tegnell weit über sein Kernkompetenzfeld hinaus, weil er immer wieder betonte, dass man zwar nachhaltige Maßnahmen benötige, aber strenge Verbote auch gesundheitliche Folgen hätten, denn Isolation und Quarantäne könnten Langzeitschäden an Körper und Geist auslösen. Die sonstigen notwendigen Maßnahmen ließen sich problemlos auch eine längere Zeit durchhalten.

Das bringt mich zu dem Aspekt „Wissen generieren“. Eine mutmaßlich unbekannte Herausforderung mit einem mutmaßlich enormen Bedrohungspotenzial erfordert eine schnelle, interdisziplinäre Generierung von Wissen und dessen nachhaltige und nachvollziehbare Verankerung in der Bevölkerung. Fakten müssen in sinnvollen Bezugsrelationen gewonnen, eingeordnet und vermeldet werden. Was sagen uns die Zahlen, was messen die früh zur Verfügung stehenden Tests, wie ist die Letalität einzuschätzen, wie hoch ist der Infizierungsgrad wirklich, was sind Kriterien für vulnerable Gruppen usw. Sie sollten keine Angst, sondern Licht generieren. So wissen wir bereits, dass Entscheidungen schnell, konsequent und solidarisch getroffen werden können. Das ist ein Potenzial, an dem im Regelbetrieb angeknüpft werden sollte. Wir wissen nun, dass digitale Kommunikation von hohem Wert ist und dass sie nicht nur den Austausch, sondern auch Versorgungsstrukturen und Prozesse sinnvoll verändern kann.

In einer solchen Gemengelage sind dann auch kluge Debatten erforderlich. Diskussionsorgien braucht und will keiner. Aber es gibt inzwischen genügend Materialaufbereitungen, Darstellungen und reflektierende Thesenpapiere, die das Ringen und das Debattieren über ständig und flexibel anzupassende Maßnahmen und Perspektiven befruchten. Zum ersten Mal in der Geschichte der Bundesrepublik haben die Gewerkschaften am 1. Mai nicht zu Großdemonstrationen aufgerufen. Auch wenn es richtig ist, dieses Jahr am 1. Mai aufs Demonstrieren zu verzichten, braucht es doch eine Debatte darüber, heißt es in einer Meldung, und die findet zu wenig statt. Gesundheitsminister Jens Spahn ist seinerzeit angetreten mit dem vielfach propagierten Wunsch, mehr offene und ehrliche Debatten über die zukünftigen Wege in der Gesundheitspolitik zu führen. In Krisen- und nicht in Komfortsituationen könnte das besonders eingeübt werden. Die Neigung, kritisches Hinterfragen und modifizierte Bewältigungskonzepte zu stigmatisieren, halte ich angesichts unserer stabilen Rahmenbedingungen für unklug. Das Chancenpotenzial dieser „Corona-Krise“ ist enorm, wenn wir Wissen generieren, Vertrauen schenken, Debatten befördern und voneinander lernen wollen.

In diesem Sinne wünsche ich uns, dass wir alle gesund bleiben.

Ihr Rolf Stuppardt

 
   
 
   
 




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Gesetz über das Studium und den Beruf von Hebammen
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Dagmar Feldgen ist neue Vizepräsidentin des Bundesamtes für Soziale Sicherung (BAS)



Neue Vizepräsidentin im Bundesamt für Soziale Sicherung ist Dagmar Feldgen, die das Amt Anfang Mai von Sylvia Bohlen-Schöning übernommen hat, weil diese in Altersteilzeit gegangen ist. Die Juristin Dagmar Feldgen war seit 1990 in verschiedenen Funktionen für das Bundesministerium für Arbeit und Sozialordnung (BMAS) tätig. Von 2013 bis 2018 leitete sie das Referat „Arbeit und Soziales“ bei der Ständigen Vertretung Deutschlands bei der EU in Brüssel. Zuletzt war Frau Feldgen Leiterin des Referats „Recht der Europäischen Union, Europäische Migration“ sowie sechs Monate vertretungsweise auch Leiterin der Unterabteilung „Europäische Union, Europäische Beschäftigungs- und Sozialpolitik“.

Marina Rudolph leitet vdek Berlin/Brandenburg



Neue Leiterin der vdek-Landesvertretung Berlin/Brandenburg ist seit Februar Marina Rudolph, die inzwischen auf eine 28-jährige Berufserfahrung beim vdek zurückblickt. Die studierte Wirtschaftswissenschaftlerin begann 1992 ihre Karriere bei der seinerzeit noch eigenständigen Landesvertretung Berlin. Ihr Schwerpunkt lag bisher insbesondere in der Pflegeversicherung. 2007 übernahm Marina Rudolph zusätzlich zu ihrem Verantwortungsbereich Pflege die stellvertretende Leitung der Berliner Landesvertretung. Beide Positionen bekleidete sie auch bei der Zusammenlegung der Landesvertretungen Brandenburg und Berlin im Jahr 2009.

 
   
 
   
 

 
   
 
 



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11. – 12.05.2020, Potsdam

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