Finanzielle Herausforderungen, wo man hinschaut. Die Krankenkassen sind hoch belastet, die Versicherten und Arbeitgeber müssen sich wieder einmal auf höhere Beiträge einstellen. Nach dem Motto, der Gesundheitsfonds hats ja, bekommen sie zusätzliche Leistungslasten und gesellschaftliche Aufgaben aufgebürdet, die von Experten zum Teil als verfassungswidrig (z. B. Transformationsfonds) bewertet werden.
Die Krankenhäuser stehen ebenfalls ökonomisch stark unter Druck. Zugleich liegt ein sog. Krankenhausversorgungsverbesserungsgesetz (welch ein Wortmonstrum) vor, an dem die Krankenhäuser selbst, die Länder, die Krankenkassen und die Ärzte kein gutes Haar lassen. Aber aus völlig unterschiedlichen Blickwinkeln. Es wird sehr deutlich, dass nach der „Sarotti-Methode“ (hier ein Stücken, da ein Stückchen) in den bestehenden Strukturen kein Blumentopf mehr zu gewinnen ist. Gesundheitspolitik versucht partiell zu reparieren, anstatt umfassend zu reformieren. Strukturell bewegt das wenig. Mit Krankheit richtig Geld zu verdienen, sprengt vor dem Hintergrund der Finanzierungssystematik die Grenzen des solidarisch zumutbaren. Es muss der Mut für grundlegende Transformationen aufgebracht werden, wonach Gesundheitserhalt in jeder Beziehung ganz vorne stehen muss. Ich sehe dies in einer konsequenten patientenorientierten, interdisziplinären und integrierten Gesundheitsversorgung in den Regionen, wo der Gesundheitserhalt klar herausragend sein sollte.
Zu Recht fordern immer mehr Aktive und Verantwortliche quer durch das System den Wert von Prävention ein. Hier ist also durchaus nicht nur eine Bereitschaft da, sich dafür stark zu machen. Sondern ich habe den Eindruck, dass diese Haltung bereits den Umbruch, die Transformation in sich trägt. Das zeigen auch viel Kooperations- und Vernetzungsbereitschaft sowie Neuaufstellungen der Leistungsverantwortlichen in der Praxis. Und es ist doch auch richtig, dass dabei Gesundheitserhalt und Prävention an erster Stelle, vor und auch bei Reparatur stehen sollte. Schließlich nennt sich das Ganze ja auch Gesundheitssystem und nicht Krankheitenbehandlungssystem.
So fordert angesichts massiver Kritik am geplanten Gesetz zur Stärkung der Herzgesundheit aktuell auch der SPD-Politiker und saarländische Gesundheitsminister Magnus Jung, das Projekt des Bundes auf Eis zu legen. Es solle in aller Ruhe mit den verschiedenen Akteuren umfassend beraten und geprüft werden. Möglicherweise könne die Herzgesundheit gar mit einem großen Präventionsgesetz verbunden werden. Das klingt vernünftig. Denn Prävention muss endlich was wert sein. Genug des Schattendaseins, genug des Lobes in Sonntagsreden. Mutig sein und Machen.
In diesem Sinne wünsche ich Ihnen dennoch einen goldenen Oktober,
Ihr Rolf Stuppardt
Kommende Ausgabe
Die klassische Wasserfall-Hierarchie ist nur bedingt tragfähig
In einem Gespräch mit dem Chef von BITMARCK, Andreas Strausfeld, hinterfragt Herausgeber Rolf Stuppardt angesichts der Bedürfnisse der Versicherten und Patienten die anpassungsfähige Agilität der IT-Dienstleister im Gesundheitswesen und deren Organisationsentwicklung.
Stärkung von Auszubildenen in der Pflege
Junge Auszubildende in der Pflege bedürfen angesichts der schwieriger gewordenen Situationen im klinischen Versorgungsalltag professionelle Unterstützung, um sie frühzeitig zu stärken und mögliche Ausbildungsabbrüche zu vermeiden. Hier wird ein Projekt aus Bayern vorgestellt.
Welchen Beitrag leistet das Projekt „SGB Reha“ für eine zukunftsorientierte Pflege?
Die Pflege in Deutschland kommt an ihre Grenzen. Bei steigender Anzahl von pflegebedürftigen Menschen wächst die Nachfrage nach Pflegeleistungen kontinuierlich. Dieser Trend stellt vor allem Pflegekräfte vor große Herausforderungen. Die AOK Rheinland/Hamburg zeigt mit ihrem Projekt „SGB Reha“, dass Pflege viel mehr als „satt, sauber und trocken“ sein kann, wenn bestehende Potenziale genutzt, erweitert und gefördert werden. Charlotte Boutmans diskutiert das.
Hunde als Unterstützer in der Schmerztherapie
Der Stand der Forschung zur tiergestützten Therapie, insbesondere mit Hunden, hat sich in den letzten Jahren deutlich weiterentwickelt. Studien zeigen, dass Hunde nicht nur auf emotionaler Ebene unterstützend wirken, sondern auch psychische Gesundheitsvorteile bieten können. Die jüngsten Studien am psychophysiologischen Labor der Humboldt-Universität zu Berlin belegen, dass Hunde Schmerzen lindern und die Bewältigungsstrategien ihrer Besitzer verbessern können. Dr. Heidi Mauersberger stellt die Ergebnisse vor.
Wenn der Traumberuf zum Trauma führt – Psychosoziale Unterstützung von Auszubildenden in der Pflege
Obwohl die meisten Auszubildenden mit großer Begeisterung in die Pflegeausbildung starten, schließen nicht einmal acht von zehn Personen die Ausbildung auch erfolgreich ab. Nicht selten lösen Ereignisse in der Praxis, wie z. B. gewalttätige Vorfälle oder moralisch schwierige Situationen, Stress bei den Auszubildenden aus, der sich durch Gefühle wie Schock und Angst zeigt, zu Erschöpfung und Vermeidungsverhalten führen kann und in Selbstzweifeln oder einem Ausbildungsabbruch endet. Um Belastungen zu reduzieren und Auszubildende in der Bewältigung von schwierigen Ereignissen zu unterstützen, wurde das bayernweite Projekt PSU4YOU ins Leben gerufen. Darüber berichtet unser Autorenteam.
Katalog für Krankenhäuser: Die geeignete digitale Infrastruktur finden
Schnell die richtige, vertrauenswürdige Lösung für Telekooperationen finden: eine echte Herausforderung. Wie sehen konkret die Bedarfe in einzelnen Versorgungssituationen aus? Wie gelangen Krankenhäuser und regionale Versorgungsnetzwerke in der Fülle des Marktes an die passende Lösung? Und wie gelingt es Herstellern, den Krankenhäusern die Lösungen vorzustellen? Um beide Seiten zueinander zu bringen, braucht es eine koordinierende Stelle. Der neue eHealth-Lotse verschafft einen Überblick über den Markt und kürzt den Weg zur richtigen Lösung ab! Wir finden das neu und nützlich.
Digitale Navigator*innen: Kompetenzentwicklung in ambulanten Behandlungsteams zur Versorgung von psychischen Erkrankungen mit DiGAs
Die durchschnittliche Wartezeit auf einen Therapieplatz beträgt laut Bundespsychotherapeutenkammer bis zu 142 Tage. Viele Patient*innen bleiben während dieser Zeit unversorgt. Für die Hausarztpraxen, die in dieser Zeit häufig die erste Anlaufstelle sind, stellt dies ein zentrales Problem dar: Sie sind überlastet und haben nur wenig Zeit für ihre Patient*innen. In der Regel bleiben ihnen nur sieben bis neun Minuten pro Konsultation. Hier setzt die vom Bundesministerium für Gesundheit geförderte DigiNavi-Studie („Digitale Navigatoren zur Akzeptanz- und Kompetenzentwicklung mit Mental Health Apps“) an, in deren Rahmen digitale Navigator*innen ausgebildet werden. Unser Autorenteam diskutiert dies.
Daten des Medizinischen Dienstes der Krankenkassen (MDK) zufolge wurden 2023 allein im Bereich der Orthopädie und Unfallchirurgie rund 3.665 Fälle gemeldet, bei denen in knapp 27 Prozent der Fälle Fehler nachgewiesen werden konnten. Wie die Statista-Grafik zeigt, ist vor allem die Pflege ein sehr fehleranfälliges Fachgebiet – hier bestätigten sich rund 67 Prozent der gemeldeten Behandlungsfehler. Wobei die Definition von Behandlungsfehlern breit gefächert ist; sie reicht von falschen Laborwerten, über Verwechslungen, bis hin zur Amputation der falschen Gliedmaßen. Das zeigt die Statista-Grafik.
Expertenstandpunkt
Have a brain – have a walk!
von PD Dr. Stephan Barth, Mediziner und Lebenswissenschaftler
Für mich ist es immer wieder faszinierend zu erfahren, wie viele unserer menschlichen Fähigkeiten sich erst entwickeln konnten, weil wir auf zwei Beinen gehen können. Denn das Gehen ist nicht nur eine körperliche Meisterleistung, sondern auch ein entscheidender Faktor für unsere geistige und soziale Gesundheit.
Gerade in den vergangenen Jahren haben einige Studien eindrucksvoll belegen können, wie eng z. B. ein einfacher Spaziergang mit einer guten Gehirngesundheit gekoppelt ist. Denn während wir uns schrittweise fortbewegen, entstehen neue Nervenzellen und die Vernetzung unserer Neuronen wird unterstützt.
Das Ergebnis? Die Masse der sogenannten "weißen Substanz" im Gehirn nimmt zu, die alle Verbindungsleitungen zwischen unseren Nervenzellen enthält.
Kurz gesagt: Das Gehen und Laufen fördern die Plastizität unseres Gehirns und halten es dadurch auch in gewisser Weise jung! Ein guter Beleg dafür, dass Körper und Geist viel enger miteinander verbunden sind, als wir bisher dachten.
Im Krankenhaus gilt, dass alle Prozesse in ihrer Effizienz und Effektivität die Patienten:innen in den Mittelpunkt stellen sollten. Dieses Ziel ist dann in Gefahr, wenn Prozesse festgefahren sind und analog ablaufen. Dann kosten sie besonders viel Zeit und entwickeln sich zu lästigen Routinen – schnell auf Kosten der Sorgfalt und der Patienten:innen-Sicherheit. [...]
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Politik & Wirtschaft, Krankenversicherung, Versorgung DAK-Gesundheit fordert längere Förderung der „Mental Health Coaches“
Bundesfamilienministerin Lisa Paus dringt auf die Fortsetzung des „Mental Health Coaches“-Programms an Schulen. Ein Jahr nach der Einführung des Projekts zieht das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend in einer Fachtagung eine positive Zwischenbilanz. Aktuell wird das Programm an bundesweit rund 100 Schulen umgesetzt. Vor dem Hintergrund des GKV-Tages zum Thema Prävention fordert DAK-Vorstandchef Storm, die „Mental Health Coaches“ länger zu fördern. Die „Mental Health Coaches“ dürften nicht der Schuldenbremse zum Opfer fallen.
Die mehr als 80 Krankenkassen der BITMARCK-Gemeinschaft verfügen ab sofort über die Möglichkeit, ihre ePA-App um die Funktionalität des E-Rezepts zu erweitern. [...]
KI & Technik, Digital Health, Innovationen Nach erfolgreicher Testphase: jameda rollt den »AI Assistant« für Kunden aus
Deutschlands größtes Arzt-Patienten-Portal gibt den offiziellen Start der ersten KI-Lösung zur Patientendokumentation bekannt. Mittels medizinischer Spracherkennung dokumentiert der »jameda AI Assistant« die Sprechstunde und ermöglicht es Ärzten, sich maximal auf Patienten zu konzentrieren. Vor dem Start wurde das neue Tool von über 100 Praxen in mehr als 2.000 Testläufen zur Marktreife gebracht. Vorläufiges Fazit: Ärzte loben die Zeitersparnis von bis zu 11 Minuten pro Patient, wünschen sich aber mehr Vernetzung.
Kinder & Familie Kinder und Jugendliche verbringen im Schnitt 1 Stunde und 7 Minuten täglich mit Video- und Computerspielen
Ob auf dem Laptop, der Konsole oder dem Smartphone – vor allem Kinder und Jugendliche verbringen viel Zeit mit dem Spielen von Video- und Computerspielen. 1 Stunde und 7 Minuten pro Tag wendeten 10- bis 17-Jährige im Durchschnitt für Video- und Computerspiele auf, wie das Statistische Bundesamt (Destatis) nach Ergebnissen der Zeitverwendungserhebung 2022 mitteilt. Jungen beschäftigen sich im Vergleich zu Mädchen deutlich häufiger mit Video- und Computerspielen: Mit 1 Stunde und 46 Minuten verbrachten sie viermal so viel Zeit am Tag mit dem Spielen von Video- und Computerspielen wie Mädchen (26 Minuten).
Prävention, Kinder & Familie Foodwatch fordert Limo-Steuer zum Schutz von Kindern
Wegen des weiterhin hohen Zuckergehalts in Kindergetränken drängt die Verbraucherorganisation Foodwatch auf die Einführung einer Limo-Steuer nach britischem Vorbild. Auch brauche es zum Schutz der Kindergesundheit effektive Werbeschranken für ungesunde Produkte und eine gesetzliche Altersgrenze für den Verkauf von Energy-Drinks, sagte die Foodwatch-Expertin für Ernährungspolitik, Luise Molling, heute bei der Vorstellung einer Marktstudie. Demnach enthielten 117 von 136 untersuchten Getränken mehr als fünf Gramm Zucker je 100 Milliliter. Im Schnitt waren in den Limos, Energydrinks und Fruchtsaftgetränken 7,8 Prozent Zucker und damit mehr als sechseinhalb Zuckerwürfel pro 250-Milliliter-Glas.
Demenz Demenz in Deutschland
Die Zahl der Demenzkranken in Deutschland wird in den kommenden Jahren weiter steigen. Die Deutsche Alzheimer Gesellschaft geht von bis zu 2,7 Millionen Menschen aus, die im Jahr 2050 mit einer Demenz leben. Die meisten von ihnen werden von der Alzheimer-Erkrankung betroffen sein.
Medientipps
Technische Innovationen in der Pflege – Handlungsempfehlungen für die erfolgreiche Implementierung
Wie können neue innovative Pflegetechnologien erfolgreich in bestehende Prozesse integriert werden und wie kann eine Finanzierung solcher Instrumente gelingen? Das Buch „Technische Innovationen in der Pflege – Handlungsempfehlungen für die erfolgreiche Implementierung“ bietet wertvolle Einblicke in die entscheidenden Erfolgsfaktoren für die Implementierung digitaler Technologien in der Pflege.
Neben einem Überblick über die Einsatzmöglichkeiten von digitalen Instrumenten und KI sowie praxisnahen Beispielen zeigt das Buch, wie professionelle Pflegekräfte optimal eingebunden werden können. Auch die prozessuale Betrachtung der Implementierung und die damit zusammenhängende Finanzierung werden ausführlich aus Sicht von Forschenden und Praktikern beleuchtet. Ein unverzichtbarer Leitfaden für alle, die digitale Technologien in den Pflegealltag integrieren wollen.
GKV-Spitzenverband: Oliver Blatt soll auf Dr. Doris Pfeiffer folgen – Stoff-Ahnis ist stellvertretende Vorstandsvorsitzende – Krasney als dritter Vorstand vorgeschlagen
Oliver Blatt
Stefanie Stoff-Ahnis
Dr. Martin Krasney
Beim Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV-SV) steht ein größerer Umbruch an. Nach dem Ausscheiden von Vorstand Gernot Kiefer in diesem Jahr geht im kommenden Jahr auch Verbandschefin Doris Pfeiffer in den Ruhestand. Auf sie soll Oliver Blatt folgen. Blatt ist derzeit Abteilungsleiter Gesundheit beim Verband der Ersatzkassen (vdek). Beim vdek ist Blatt zuständig für Prävention, Rehabilitation und das Leistungsrecht der GKV sowie die Soziale Pflegeversicherung und medizinische Versorgungsfragen der GKV. Zuvor war er beim IKK-Bundesverband.
Als Stellvertretende Vorstandsvorsitzende wurde bereits im Juni Stefanie Stoff-Ahnis bestätigt. Sie verantwortet beim Kassenverband den Stabsbereich Vertragsanalyse sowie die Abteilungen Ambulante Versorgung, Krankenhäuser und Arzneimittel.
Der dritte Vorstandsposten ist derzeit vakant. Für die Wahl im November wurde Dr. Martin Krasney vorgeschlagen. Er ist derzeit bei der Kanzlei Dierks + Company tätig, hat aber bereits eine Vergangenheit beim GKV-SV. Sein Vorstandsbereich würde die Abteilungen Pflege, Gesundheit, Zentrale Dienste und die Deutsche Verbindungsstelle Krankenversicherung – Ausland (DVKA) umfassen.
Dr. Viola Sinirlioglu wird erste Beauftragte für Patientensicherheit bei der DAK-Gesundheit
Die DAK-Gesundheit verstärkt ihren Einsatz für eine sichere Versorgung ihrer 5,5 Millionen Versicherten. Die Krankenkasse hat Dr. med. Viola Sinirlioglu zur ersten DAK-Beauftragten für Patientensicherheit ernannt. Die 38-jährige Ärztin wird sich in ihrer neuen Rolle für die Sicherheit der Versicherten und für eine bessere Kooperation mit Leistungserbringern im Gesundheitswesen stark machen.
Epilog
GESTERNHEUTE
Der Hang
zum Gestern
lässt Heute
das Morgen
bekannt
und unverdaut
aussehen
Es wird Zeit
für Licht und Liebe