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16.05.2018

Krankenversicherung, Politik & Wirtschaft, Heilberufe

Deutsches Netzwerk Versorgungsforschung (DNVF) schlägt Verbesserungen zum Innovationsfonds vor

Bei der kritischen Betrachtung der laufenden Projekte des Innovationsfonds durch das DNVF wurde deutlich, dass nicht alle Projekte realistisch geplant waren, teilweise von allzu optimistischen Annahmen bzgl. der Gewinnung von Kooperationspartnern unter den Leistungserbringern und von unrealistischen Rekrutierungsplänen bei den Zielpatienten ausgingen. Vor allem im Bereich der Evaluation der neuen Versorgungsformen waren viele Projekte nicht ausreichend konkret, in einigen Fällen gibt es methodische Verbesserungsbedarfe. In der Folge bestehen bei nicht wenigen Projekten Risiken - bei einigen ist nicht sicher, ob die Implementierung in der bewilligten Laufzeit gelingen wird. Der Input des Innovationsausschusses sollte sich noch mehr auf Fragen der Praxisrelevanz und eine Einschätzung des Translationspotentials fokussieren. Gleichzeitig sollte die Rolle des Expertenbeirates gestärkt werden und die Letztentscheidung über die Förderung von beiden Gremien gemeinsam und gleichberechtigt getroffen werden. Hierbei müssen Interessenkonflikte offengelegt werden. Die Entscheidungskriterien sollten transparent sein und die Voten – negative wie positive - sollten veröffentlicht werden.

Die Projekte des Innovationsfonds sollen helfen, konkrete Versorgungsprobleme für definierte Patientengruppen, Settings oder Regionen zu lösen. Sie dienen nicht zum Wettbewerbsinstrument zwischen einzelnen Krankenkassen. Wie im Papier des BMC ausgeführt, sieht es auch der Vorstand des DNVF im Bereich der Neuen Versorgungsformen als nachteilig an, dass nur Patienten teilnehmen dürfen, die in einer der am jeweiligen Projekt beteiligten Krankenkassen versichert sind. Diese Einschränkung verringert nicht nur die mögliche Teilnehmerzahl, sondern verhindert auch einen Regional- oder Flächenbezug. Zudem geraten große Krankenkassen durch diese Regelung in die Situation, auch durchaus gute Konzepte allein durch ihre Nichtteilnahme faktisch zu blockieren – und das auch in Fällen, in denen durchaus großes Interesse bei kleineren Kassen bestehen würde. In zukünftigen Förderphasen sollte deshalb von der strikten Vorgabe abgewichen werden, dass die Angebote in Projekten der Neuen Versorgungsformen nur auf Versicherte bestimmter Kassen beschränkt werden können. Alle durch das Projekt bedingten zusätzlichen Kosten müssen grundsätzlich durch Mittel des Innovationsfonds abgedeckt werden können. Das Deutsche Netzwerk Versorgungsforschung begrüßt nachdrücklich, dass die Große Koalition die Finanzierung des Innovationsfonds mit 200 Mio. pro Jahr weiter führen wird. Diese Mittel sollten mindestens im gleichen Umfang wie bisher (75 Mio. €/Jahr) für Projekte in der Versorgungsforschung eingesetzt werden. Eine Kürzung wäre hier weder inhaltlich noch qualitäts- oder kapazitätsbezogen gerechtfertigt. Thematisch sollten sich zukünftige Ausschreibungen des Innovationsfonds primär an konsentierten Versorgungszielen ausrichten.

Rolf Stuppardt, Welt der Krankenversicherung

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