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26.11.2014

Autorenkommentare

Präventionsgesetz: Perspektiven für die psychische Gesundheit in der Arbeitswelt

Prävention und Gesundheitsförderung werden in einer Gesellschaft mit steigender Lebenserwartung und multimorbiden sowie chronischen Erkrankungen immer wichti-ger, damit Krankheiten erst gar nicht entstehen oder möglichst kurz verlaufen. Das gilt auch und gerade für psychische Erkrankungen als eines der Megathemen des 21. Jahrhunderts. Dass die Regierungskoalition der Prävention so hohe Priorität ein-räumt und bereits zu Beginn der Legislaturperiode ein Referentenentwurf vorliegt, ist daher sehr zu begrüßen. 

Mit dem Präventionsgesetz soll insbesondere auch die betriebliche Gesundheitsför-derung ausgebaut werden. Verbesserungen sind vor allem für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) geplant. Krankenkassen sollen ihnen in gemeinsamen regiona-len Koordinierungsstellen (z. B. bei den Handwerks- oder Handelskammern) Bera-tung zur betrieblichen Gesundheitsförderung anbieten. Tatsächlich ist die betriebliche Gesundheitsförderung in kleinen und mittleren Unternehmen noch unterrepräsentiert. Ursache ist nicht, dass KMU den Faktor Gesundheit unterschätzen. Im Vergleich zu großen Betrieben verfügen sie jedoch in aller Regel über keine eigenen Strukturen zum Betrieblichen Gesundheitsmanagement.

Solche Koordinierungsstellen können nur erfolgreich sein, wenn sie über Angebote und Netzwerke geeigneter Dienstleister und Leistungserbringer verfügen. Doch hier liegt der blinde Fleck des Präventionsgesetzes. Zwar benennt er den Wandel des Krankheitsspektrums und verweist auf die veränderten Anforderungen in der Ar-beitswelt als Probleme, für die mit dem Präventionsgesetz Lösungen vorgeschlagen werden sollen. Zugleich wird aber mit dem vorliegenden Referentenentwurf psycho-therapeutischer Sachverstand überhaupt nicht adressiert. Dabei sind doch gerade die psychischen Belastungen die neuen gesundheitlichen Herausforderungen in der Arbeitswelt. 

Die Kompetenz der über 40.000 Psychologischen Psychotherapeuten und Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten in Deutschland könnte viel stärker für die Prä-vention genutzt werden. Dazu sollten Gesundheitsuntersuchungen und Präventions-empfehlungen auch zu den Leistungen der Psychotherapeuten gehören. Gerade im Kontext der geplanten Einrichtung psychotherapeutischer Sprechstunden im GKV-Versorgungsstärkungsgesetz wäre dies eine notwendige Erweiterung des psychothe-rapeutischen Leistungsspektrums. 

Dr. Johannes Klein-Heßling und Dominique Krause

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