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06.07.2017

Krankenversicherung

Veranstaltungsbericht zum Brunchtalk von Abbott: Innovationsentscheidungen dauern zu lange, Ballast schlägt Innovationsbudget vor


Der Willensbildungsprozess für Innovationsentscheidungen im System sei zu langatmig und bürokratisch angelegt. Diese kritische Position vertraten sowohl MdB Dr. Roy Kühne als auch der unparteiische Vorsitzende des Gemeinsamen Bundesausschusses, Prof. Josef Hecken, anlässlich einer Podiumsdiskussion im Rahmen des diesjährigen Hauptstadtkongresses. Abbott hatte zu einem Brunch-Talk mit MdB Dr. Roy Kühne, Prof. Josef Hecken und Thomas Ballast geladen. Thema: Bilanz und Perspektiven der Reformen und Innovationen in der Diabetes Versorgung. Unter Moderation von Rolf Stuppardt, Herausgeber von WELT DER KRANKENVERSICHERUNG, verfolgten die etwa 100 geladenen Teilnehmer pointierte Statements und Diskussionsbeiträge.
In Zukunft käme es darauf an, dass nützliches Neues rechtzeitig in die Versorgung gelangen müsse und nicht erst zu einem Zeitpunkt, zu dem man nicht mehr von einer Innovation sprechen könne, so Hecken. Er sehe es als ein Armutszeugnis an, wenn entsprechende Methodenbewertungen vier bis fünf Jahre und länger dauern würden. Es müsse klare Fristensetzungen geben, wobei ein bis zwei Jahre notwendig und vertretbar seien. Dann müsse das entweder „in die Tonne“ oder „in den Markt“. Es sei auch die Frage, wie wasserfest die Evidenz beim Marktzugang sein müsse, ggf. sei ein beschränkter Markzugang zu ermöglichen und außerdem könne mehr Evidenz auch in der Versorgung gesammelt werden.
Dass die Krankenkassen die Möglichkeiten selektivvertraglicher Wege oder die Gestaltungsmöglichkeiten über Satzungsleistungen nutzen, bewertet Dr. Roy Kühne, Mitglied des Gesundheitsausschusses im Deutschen Bundestag, ausgesprochen positiv. Dieser Weg sei zusätzlich ausbaufähig. Es könne nicht sein, so Kühne, dass Branchen fremde Unternehmen wie Google die Schlagzahl in Zukunft vorgeben würden, weil das System und die Politik zu langsam seien.
 

von links nach rechts: Thomas Ballast, Dr. Roy Kühne, Prof. Josef Hecken, Alexander Fröhlich, stehend: Rolf Stuppardt, Dr. Annette Mehler

Für Thomas Ballast, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der TK, ist es notwendig, besondere Zulassungs- und Erstattungsregelungen für digitale Versorgungsprodukte zu schaffen. Er unterbreitete den Vorschlag, ein obligates „Innovationsbudget“ zur Förderung neuer Versorgungsformen zu etablieren. Zu denken sei an ein Mindestausgabenwert von 2,50 Euro je Versicherten und nicht ausgegebene Mittel könnten über den GKV-Spitzenverband auf die Krankenkassen umgelegt werden, die im Rahmen von Innovationen mehr als 2,50 Euro ausgeben. Es käme darauf an, eine angemessene Balance zwischen der Sicherheit der Patienten und dem Verbesserungspotential in der Versorgung zu finden. Dabei seien die Evidenzen in der Versorgungspraxis zu gewinnen. Selektivverträge seien oft ein Mittel der Wahl für die Krankenkassen und müssten stärker zum Zuge kommen. Mit Blick auf das neue Glucosemess-System Free Style Libre von Abbott berichtete Ballast von einer hohen Zufriedenheit der inzwischen 25.000 bei der TK versicherten Patienten.
Ob insbesondere Sprunginnovationen durch die etablierten Zulassungsverfahren nicht benachteiligt seien, fragte sich und die übrigen Teilnehmer Alexander Fröhlich, Director Market Access von Abbott. Hier müsse es andere Prioritäten geben, Schnelligkeit, Transparenz und Verlässlichkeit beim Innovationszugang seien sehr wünschenswert. Fröhlich bewertet das neue Heil- und Hilfsmittelversorgungsgesetz als richtigen Schritt in die richtige Richtung, weitere müssten aber mit Blick auf vielversprechende Innovationen folgen.

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