Das Heidelberger Forum Gesundheitsversorgung bietet Journalistinnen und Journalisten die Möglichkeit einer kostenlosen Akkreditierung. Bitte beachten Sie hierfür die untenstehenden Akkreditierungsrichtlinien.
Um eine Pressefreikarte zu erhalten, senden Sie bitte eine Kopie Ihres Presseausweises sowie Ihre vollständigen Kontaktangaben und Nennung des Mediums, für das Sie schreiben, an:
presse@medhochzwei-verlag.de
Akkreditierungsrichtlinien
Die Akkreditierung dient ausschließlich der journalistischen Berichterstattung von der Veranstaltung. Akkreditiert werden kann, wer laut Impressum Mitglied einer journalistischen Redaktionen ist ODER einen Brief einer journalistischen Redaktion vorweist, die ihre/seine regelmäßige Mitarbeit und den Auftrag zur Veranstaltungs-Berichterstattung bestätigt ODER wer veröffentlichte und namentlich gekennzeichnete journalistische Beiträge aus den letzten sechs Monaten zu Gesundheitsthemen vorweist.
Wir bitten außerdem um eine Kopie des aktuellen Presseausweises folgender Institutionen: DJV, dju, BDZV, VDZ, Freelens oder DFJV. Korrespondenten aus dem Ausland bitten wir um eine schriftliche Auftragsbestätigung ihrer Redaktion und die Vorlage eines Mitgliedsausweises einer anerkannten Organisation ausländischer Pressevertreter (z. B. Verein der ausländischen Presse).
Eine Akkreditierung berechtigt zur kostenlosen Teilnahme am Heidelberger Forum Gesundheitsversorgung. Die entsprechenden Unterlagen erhalten Sie vor Beginn der Veranstaltung.
Ein Rechtsanspruch auf Akkreditierung besteht nicht. Der Veranstalter behält sich grundsätzlich vor, ein Akkreditierungsgesuch abzulehnen. Bei Ablehnung einer Akkreditierung verbleibt selbstverständlich die Möglichkeit, über den Kauf einer Eintrittskarte bei der Veranstaltung dabei zu sein.
Nicht akkreditiert werden:
Das Heidelberger Forum Gesundheitsversorgung brachte am 7. Mai 2026 zum 9. Mal Entscheider aus Kliniken, Selbstverwaltung, Industrie und Wissenschaft zusammen, um über eine bessere Gesundheitsversorgung zu diskutieren
Das deutsche Gesundheitssystem leidet weder an einem Mangel an Ressourcen noch Reformwillen, sondern am starren Korsett sektoraler Strukturen und fehlender Orientierung auf Patientennutzen und Gesunderhaltung. Gleichzeitig bietet es, wie kaum ein anderes, Vielfalt und Raum für Initiative und Veränderung durch Zusammenarbeit der Akteure. Darin liegt Herausforderung und Chance für Innovation.
Die Veranstalter, der medhochzwei Verlag, die Gesundheitsplattform Rhein-Neckar und die Zeitschrift „Welt der Gesundheitsversorgung“ luden am 7. Mai ein, über die Zukunft der Gesundheitsversorgung zu diskutieren. In drei Panels ging es um digitale Innovationen, eine nachhaltige Finanzierung unseres Gesundheitssystems, um regionale Versorgungskonzepte und Prävention.
Heidelberg, 11.05.2026
|
|
Den fachlichen Auftakt setzte Prof. Dr. Ramin Assadollahi, KI-Experte und Gründer der HealthTech-Plattform Halbzeit AI, in seiner Keynote. Sein Befund kam überraschend optimistisch: „Deutschland steht in Sachen KI besser da, als wir glauben.“ Anhand von Beispielen aus der deutschen Gründerszene zeigte er, wie KI die Welt der Gesundheitsversorgung verändern kann. Die deutliche Reduktion von Dokumentationsaufwänden in Klinik, Arztpraxis und Pflege durch neue KI-Modelle, war nur eines seiner vielen Beispiele. |
Im Panel diskutierten neben Assadollahi: Yvonne Dintelmann (Universitätsklinikum Heidelberg), Claus Munsch (HMM Deutschland), Claudia Ehmke (Mitgründerin Oska Health), Dr. Oliver Hergel (Roche Diagnostics) und Marek Rydzewski, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der AOK Nordost.
Hergel illustrierte die Datenrealität mit einer Größenordnung: Eine Million Gigabyte an Patientendaten — überschlägig die Textmenge einer Milliarde Bücher — würden „fast gar nicht genutzt“. Aus dem Publikum schilderte die Notfallärztin Dr. Katharina Rieth den klinischen Alltag: Bei bewusstlosen Patienten sei der Zugriff auf wichtige Gesundheitsdaten im Regelfall nicht möglich.
Rydzewski ordnete die Beobachtungen systemisch ein: „Die Macht verschiebt sich durch die Digitalisierung hin zu den Versicherten. Entweder es passiert mit uns oder ohne uns.“ Sein Schlusssatz brachte das Ergebnis der Diskussion auf den Punkt: „Punktuell sind wir schon innovativ und digital, aber es fühlt sich nicht so an, weil die Anwendungen im System fragmentiert sind.“
![]()
Panel 1 v. l.: Prof. Dr. Lutz Hager | Claus Munsch | Dr. Oliver Hergel | Ramin Assadollahi | Claudia Ehmke | Yvonne Dintelmann | Rolf Stuppardt | Marek Rydzewski © medhochzwei
Acht Tage nach dem Kabinettsbeschluss zum GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz vom 29. April 2026 erläuterte Prof. Dr. Amelie Wuppermann (Universität Bayreuth) die Arbeit der Finanzkommission Gesundheit. Die Ergebnisse seien explizit auf die Ausgabensituation der GKV gerichtet, Strukturreformen seien nun die nächste Aufgabe.
Roland Engehausen, Geschäftsführer der Bayerischen Krankenhausgesellschaft e. V., plädierte für einen radikaleren Schnitt nach dänischem oder niederländischem Vorbild: „Ich habe nichts dagegen, wenn die Krankenhäuser den Kassen gehören würden.“
Andrea Galle, Vorständin mkk – meine krankenkasse, hielt mit einer biographisch grundierten Gegenposition dagegen: „Ich finde gut, wenn zwischen Gesundheitsversorgung und Staat noch eine Tür ist.“.
Für Dr. Sandra Zimmermann (WifOR Institute) liegt der eigentliche Frame-Shift tiefer: „Gesundheit ist Basis für Fortschritt und nicht Ergebnis.“ Gesundheitsausgaben müssten daher als Investitionen volkswirtschaftlich verrechnet werden. Gerade dies gibt das System aktuell jedoch nicht her.
![]()
Panel 2 1v. l.: Prof. Dr. Lutz Hager | Prof. Dr. Amelie Wuppermann | Roland Engehausen | Andrea Galle | Dr. Sandra Zimmermann | Rolf Stuppardt © medhochzwei
|
|
Den Übergang zum dritten Panel bildete die Keynote von Prof. Dr. Hanns-Peter Knaebel, seit 1. Januar Vorstandsvorsitzender des neuen Verbunds der Universitätsklinika Heidelberg und Mannheim. Er skizzierte Mission und Weg des Verbunds zu einem Top-Player „in der Spitze und in der Fläche“. Auch die universitäre Medizin müsse umfassend und vom Patienten her denken — „Es kann nicht sein, dass wir nur unseren universitären Kolibri pflegen. Wir müssen uns auch den Top 20 Todesursachen widmen“ — und benannte Patientenprozesse als eine der Aufgaben, die im neuen Verbund zu adressieren seien: dass Patienten an fünf verschiedenen Stellen nach denselben Allergien gefragt würden, sei sinnbildlich. Sein Anspruch: bis 2030 an die Spitze deutscher Universitätsmedizin und in der internationalen Wahrnehmung zu den Top-Adressen aufschließen. „Wir verkaufen uns im Ausland unter Wert.“ |
Das dritte Panel mit Prof. Dr. Hanns-Peter Knaebel, Dr. med. Rita Bangert-Semb (Hausärzteverband Baden-Württemberg, Schwerpunkt Digitalisierung), Prof. Dr. Erhard Siegel (Ärztlicher Direktor St. Josefskrankenhaus Heidelberg) und Prof. Dr. Jörg Loth (Vorstandsvorsitzender IKK Südwest) verlängerte den Knaebel-Befund in die regionale Versorgungsrealität. Das Postulat „partnerschaftlich und regional“ findet seine operative Bewährung in Hausarztpraxis, Schwerpunktklinik, Maximalversorger-Verbund und Kasse — mit jeweils eigenen Aufgaben, getrennten Budgets und schmalen Brücken.
In der Diskussion wurde sichtbar, dass Partnerschaft kein Konsens-Modus ist, sondern eine Verhandlung von Verantwortung, Mitteln und Mut zur Rollenerweiterung. Exemplarisch für gelungene regionale Zusammenarbeit über die Sektoren hinweg steht das Adipositas-Netzwerk Rhein-Neckar, das Start inzwischen mehr als 80 Akteure aus Kliniken und Praxis umfasst und nun im nächsten Schritt eine digitale Plattform entwickelt, die den gesamten Versorgungspfad von Adipositas-Patienten abbildet. Auch das „HÄPPI-Projekt (Hausärztliches Primärversorgungszentrum – Patientenversorgung Interprofessionell), das Hausarztpraxen bei der Digitalisierung begleitet ist ein erfolgreiches Beispiel für partnerschaftliche Zusammenarbeit.
![]()
Panel 3 1v. l.: Prof. Dr. Lutz Hager | Prof. Dr. Jörg Loth | Prof. Dr. Erhard Siegel | Dr. med. Rita Bangert Semb | Prof. Dr. Hanns-Peter Knaebel | Rolf Stuppardt © medhochzwei
Die verbindende Linie des Tages war die Notwendigkeit, Reformprojekte zusammenzudenken, statt sie nebeneinander zu stellen. Innovation wirkt nur, wo Strukturen sie tragen und ermöglichen. Finanzierung wird nur tragfähig, wo Versorgung integriert, angelegt ist. Region wird nur Versorgungsraum, wo Akteure ihre angestammten Rollen erweitern. Dieser Gestaltungsraum macht Mut und ist Auftrag zugleich; dies war in den drei Panels und vielen Diskussionen klar zu erkennen.
Prof. Dr. Hanns-Peter Knaebel brachte es auf den Punkt: „Wer in einem Gesundheitsunternehmen arbeitet, hat einen ganz klaren Purpose.“
Hier geht es zur Bildergalerie.