Alles anders – wie leben mit Demenz?

09.06.2021, Sophie Rosentreter
Aktuelles aus dem Verlag, Autorenkommentare, Demenz


Foto: © Katrin Schöning
 

Sophie Rosentreter war MTV-Moderatorin und drehte Reportagen (z. B. für Stern-TV). Heute hat sie es sich als Demenzbotschafterin zur Lebensaufgabe gemacht, Demenz mit Leichtigkeit zu begegnen.

Ihr Engagement wurde bereits mit vielen Preisen ausgezeichnet – so wurde sie z. B. zum "Freund der Pflege" beim Deutschen Pflegetag 2018 gekürt.
 

1. Für wen ist der Film „Alles anders – Wie leben mit Demenz“ gedacht?

Dieser Film ist für begleitende An- und Zugehörige von demenziell veränderten Menschen gedacht – also für die Familie, Freunde, aber auch die Nachbarschaft. Im Endeffekt geht Demenz uns ja alle an, weil wir eine immer älter werdende Bevölkerung sind und wir Menschen mit Demenz in die Mitte unserer Gesellschaft holen müssen. Dieser Film soll dazu beitragen, dass Demenz ein Teil des Lebens ist und wir die Angst und Scham abbauen.

2. Welches Ereignis hat Sie dazu gebracht, sich intensiv mit Demenz zu beschäftigen und auch Filme über das Thema zu drehen?

Ich komme aus der Film- und Fernsehbranche und als meine Großmutter Ilse Alzheimer bekam, startete ich mit der Idee Filme für Menschen mit Demenz zu machen. So ist „Ilses weite Welt“ entstanden. Mittlerweile mache ich viele andere Projekte, Vorträge, Bücher rund um Aufklärung zum Thema „Demenz mit Leichtigkeit begegnen“. Mir geht es dabei um vielseitige Möglichkeiten, neue Herangehensweisen, Vermittlung von Kompetenz, Ermutigung und Mitgefühl. Durch einen Blickrichtungswechsel können Angehörige und professionell Pflegende den Pflegealltag besser gestalten und die Beziehungen können wachsen und vertieft werden. Dieser Film hätte meine Familie in der Pflege und Begleitung meiner Großmutter sehr weitergeholfen und wir hätte viel mehr schöne Momente teilen können.

3. Was ist das Wichtigste, was Sie über Demenz seit ihrer Recherche dazugelernt haben, was Sie vielleicht vorher so nicht erwartet hätten?

Demenz heißt übersetzt „weg vom Geist“ oder „abnehmender Geist“. Ja, der Verstand nimmt ab, aber das Gefühl, die Seele bleibt - und sie ist bis zum Schluss zu erreichen! Demenz bedeutet also für mich „hin zum Gefühl“ – und das ist das, was wir von und mit Menschen mit Demenz lernen können. Mitgefühl, Ruhe, Respekt, aber auch Fantasie, Feingefühl, Neugier, Überraschung und Humor. Wir, als verkopfte Gesellschaft, in der Fortschritt zählt und der Verstand alles scheint, können vielleicht ein wenig an dieser Diagnose gesunden und merken, worauf es wirklich im Leben ankommt.
 

Hier finden Sie weitere Informationen zum neuen Film Alles anders – wie leben mit Demenz.

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