Übergewicht bei Kindern hat bereits pandemische Ausmaße

13.10.2021, Rolf Stuppardt, Welt der Krankenversicherung
Heilberufe, Krankenversicherung, Politik & Wirtschaft

Im Mai 2021 warnte das Europa-Büro der Weltgesundheitsorganisation (WHO), dass die Corona-Pandemie möglicherweise einen der besorgniserregendsten Trends in der Europäischen Region noch weiter verstärken könnte – die wachsende Zahl fettleibiger Kinder. Und auch deutsche Fachgesellschaften für Adipositas- und Kindermedizin stellen aktuell fest, dass bei Kindern ein deutlicher Anstieg an Adipositas und Neumanifestationen von Typ-2-Diabetes während der coronabedingten Einschränkungen zu verzeichnen ist. Mit Übergewicht und Adipositas assoziiert ist auch bei Kindern die nicht-alkoholische Fettlebererkrankung (NAFLD), die mittlerweile die häufigste chronische Lebererkrankung im Kindes- und Jugendalter ist. Laut einer aktuellen Marktanalyse der Verbraucherorganisation Foodwatch, die sich mit den Rechten von Verbrauchern und der Qualität von Lebensmitteln auseinandersetzt, sind in den vergangenen sechs Jahren für Kinder beworbene Lebensmittel kaum gesünder geworden. Obwohl es Selbstverpflichtungen der Industrie sowie eine Reduktionsstrategie des Ernährungsministeriums gibt, sind mehr als 85 Prozent der an Kinder vermarkteten Produkte zu süß, zu salzig und zu fettig. Und für diese „Krankmacher“ wird ausgiebig Werbung gemacht: Eine Studie der Universität Hamburg hat kürzlich festgestellt, dass ein Kind in Deutschland jeden Tag durchschnittlich circa 15 Werbespots für ungesunde Produkte sieht – zwei Drittel davon im Fernsehen, die übrigen über Social Media auf dem Mobiltelefon oder dem PC. Es ist bekannt, dass sich ein in der Kindheit erlerntes Ernährungsverhalten im weiteren Leben häufig manifestiert. Die enormen Kosten, die – abgesehen vom menschlichen Leid – für heute übergewichtige Kinder entstehen, trägt letztendlich die Gesellschaft. Experten schätzen die Ausgaben über die Lebenszeit gerechnet auf 393 Milliarden Euro. Bei Kindern mit deutlichem Übergewicht sollte regelmäßig die Lebergesundheit überprüft werden. Sind die Leberwerte im Blut (GPT, GOT und GGT) erhöht, ist dies möglicherweise ein Warnzeichen für eine Lebererkrankung, das empfiehlt die Deutsche Leberstiftung.

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