Pflegeausbildungsindex: Deutliche Unterschiede in den Bundesländern

12.02.2020, Sven C. Preusker
Pflege, Politik & Wirtschaft

Die KWA Akademie hat jetzt den Pflegeausbildungsindex PIX vorgestellt. Der Index diene dazu, die Entwicklung der Ausbildung in den Pflegeberufen künftig objektiv und transparent beurteilen zu können, so die Akademie. Er werde sichtbar machen, wie sich die Werte der deutschen Pflegeausbildung in den kommenden Jahren entwickeln. Auch Tendenzen, für die das Pflegeberufegesetz und die mit ihm angestoßene generalistisch ausgerichtete Pflegeausbildung maßgeblich mit verantwortlich sein würden, würden erkennbar werden, hieß es. 

Im Schuljahr 2018/2019 absolvierten laut der Ergebnisse insgesamt 142.446 Personen in einer dreijährigen Ausbildung in einem Pflegeberuf: 70.153 im Bereich Altenpflege, 64.511 im Bereich Gesundheits- und Krankenpflege und 7782 im Fachgebiet Gesundheits- und Kinderkrankenpflege. 

Von den insgesamt 142.446 Personen, die im Schuljahr 2018/2019 in der dreijährigen Ausbildung zur examinierten Pflegefachkraft standen, kamen allein 35.428 aus NRW. Das sind rund 25 Prozent der Gesamtheit. Baden-Württemberg zählte 19.032 (13,4 Prozent) und Bayern 18.647 (13,1 Prozent) Schüler im benannten Jahrgang. Das heißt zunächst, dass über die Hälfte (51,3 Prozent) des deutschen Pflegefachkraftnachwuchses in diesen drei Bundesländern ihre Ausbildung erfahren. Betrachtet man nur die Werte der Altenpflege, dann sind auch diese drei Bundesländer quantitativ führend: NRW 18.697, Baden-Württemberg 9.837 und Bayern 7.046 Altenpflegeschüler, machen auch in diesem Sektor gut die Hälfte (50,7 Prozent) aller Auszubildenden aus.

Der Index setzt diese Zahlenwerte in Relation zu den Einwohnerzahlen – bundesweit und in den Ländern. Dabei ergeben sich deutliche Unterschiede zwischen den Bundesländern. So liegen die einwohnerstarken Flächenstaaten in Sachen Pflegeausbildung zwar in absoluten Zahlenwerten quantitativ an der Spitze der Länder. Setzt man diese Werte allerdings mit den jeweiligen Einwohnerzahlen in Relation beziehungsweise mit der Bevölkerungsgruppe im Alter von über 80 Jahren, dann sacken diese Länder im Vergleich zu anderen Bundesländern deutlich ab. Einige Bundesländer hätten in Sachen Pflegeausbildung noch viel Luft nach oben, kommentieren die Autoren des PIX.

In Baden-Württemberg kommt laut der Ergebnisse beispielsweise auf 34 Einwohner mit einem Alter von über 80 Jahren ein Pflegeschüler, im Saarland hingegen weist die Statistik einen Wert von knapp 27 Einwohnern der Altersgruppe über 80 pro Pflegeschüler auf. Damit sei das Saarland derzeit Spitzenreiter in Sachen Pflegeausbildung, wenn man die Zahl der Pflegeschüler auf die Zahl der über 80-Jährigen beziehe. Der arithmetische Mittelwert für Deutschland liegt bei 36 Einwohnern der Altersgruppe über 80 pro Pflegeschüler. Es zeige sich, dass einige Bundesländer diesen Mittelwert deutlich unterschreiten, wie z. B. Bayern, Brandenburg, Rheinland-Pfalz und Thüringen. Besonders auffällig sind die Schülerzahlen in Hessen. Mit knapp 809 Einwohnern insgesamt und 48 Einwohnern der Altersgruppe über 80 je Pflegeschüler ist Hessen momentan Schlusslicht beim Ranking der Pflegeausbildung.

Der PIX werde offenlegen, ob die Regierungen auf Bundes- und Länderebene ggf. zusätzliche Maßnahmen treffen (müssten), um die Entwicklungen in der Pflege weiterhin positiv zu beeinflussen, heißt es von den Autoren. Denn es sei unbestritten, dass eine alternde Gesellschaft künftig – noch viel mehr als bereits heute – gut ausgebildete Pflegefachkräfte benötige. Insbesondere Bundesländer mit einem hohen Anteil hochaltriger Menschen würden ausgeklügelte Strategien und engagierte Maßnahmen zur Sicherung der Fachkraftausbildung treffen müssen. Mit dem PIX wolle die KWA Akademie allen Entscheidungsträgern ein belastbares Instrument zur Verfügung stellen.

Der Pflegeausbildungsindex (PIX) soll jährlich erscheinen und wird von der KWA Akademie auf der Basis offizieller Daten ermittelt und in Zusammenarbeit mit dem Medienhaus Vincentz Network veröffentlicht.

Anzeige
Anzeige