Kodierung von Fällen mit Coronavirus und COVID-19

17.03.2020, Dr. med. Markus Thalheimer, Universitätsklinikum Heidelberg
Aktuelles aus dem Verlag


Markus Thalheimer


Aktualisierung Stand 25.03.2020
Kodierung von Fällen mit Coronavirus und COVID-19


Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat dem neuartigen Coronavirus die Bezeichnung Sars-CoV-2 gegeben. Auch die Lungenkrankheit, die vom Virus ausgelöst wird, erhielt mit Covid-19 einen Namen. Covid steht dabei für „Corona Virus Disease“.

Für die Kodierung der Coronavirus Krankheit Covid-19 hat das DIMDI inzwischen zwei Zusatzkodes bereitgestellt:

U07.1!     COVID-19, Virus nachgewiesen
Coronavirus-Krankheit-2019, Virus nachgewiesen
Verwendung dieses Kodes, wenn COVID-19 durch einen Labortest nachgewiesen ist, ungeachtet des Schweregrades des klinischen Befundes oder der Symptome
U07.2!     COVID-19, Virus nicht nachgewiesen
COVID-19 o.n.A.
Verwendung dieses Kodes, wenn COVID-19 klinisch-epidemiologisch bestätigt ist und das Virus nicht durch Labortest nachgewiesen wurde oder kein Labortest zur Verfügung steht.
Als Sekundärkodes müssen U07.1! und U07.2! mit einem Primärkode verknüpft werden.

Die Kodierung von Fällen mit Coronavirus erfolgt daher folgendermaßen:
Es werden zunächst Schlüsselnummern für das Vorliegen einer Pneumonie oder anderer Manifestationen oder von Kontaktanlässen angegeben. Diese werden dann mit einem Kode aus U07.1! oder U07.2! verknüpft.
Der Primärkode für die Manifestation oder den Kontakt kann Haupt- oder Nebendiagnose sein.
Sollte ein initial negativ getesteter Patient während des stationären Aufenthaltes positiv werden, wird der Kode U07.2! durch den Kode U07.1! ersetzt.


1. Der Patient ist positiv getestet, hat keine Symptome
Z22.8     Keimträger sonstiger Infektionskrankheiten
U07.1!     COVID-19, Virus nachgewiesen
Z29.0     Isolierung als prophylaktische Maßnahme
[Hier wird U07.1! seit 23.03.20 verwendet, da die Kodierung nun unabhängig von der Symptomatik erfolgt.]

2. Patient hat leichte Symptome und ist positiv getestet
J98.7    Infektion der Atemwege, anderenorts nicht klassifiziert
U07.1!     COVID 19, Virus nachgewiesen
Z29.0     Isolierung als prophylaktische Maßnahme

3. Patient hat eine Infektion und ist positiv auf Coronavirus getestet
z.B. Husten, Fieber ohne Nachweis einer Pneumonie
B34.2 Infektion durch Koronaviren nicht näher bezeichneter Lokalisation
U07.1!     COVID 19, Virus nachgewiesen
Z29.0     Isolierung als prophylaktische Maßnahme

4. Patient hat eine Pneumonie und ist positiv auf Coronavirus getestet
J12.8 Pneumonie durch sonstige Viren
U07.1!     COVID 19, Virus nachgewiesen
Z29.0     Isolierung als prophylaktische Maßnahme

5. Patient hat einen schweren Verlauf mit schwerem akutem respiratorischem Syndrom (SARS) und Corona-Nachweis
U04.9    Schweres akutes respiratorisches Syndrom [SARS], nicht näher bezeichnet
U07.1!     COVID 19, Virus nachgewiesen
Z29.0     Isolierung als prophylaktische Maßnahme

Sollte der Coronatest negativ gewesen sein oder kein Test zur Verfügung gestanden haben, aber klinisch-epidemiologisch COVID-19 bestätigt sein, wird U07.1! durch U07.2! bei sonst identischer Kodierung ersetzt.

Die Kodes U07.1! und U07.2! können auch mit weiteren geeigneten Diagnosen für die Manifestation der Erkrankung COVID-19 verknüpft werden, also z.B. Kodes für eine Sepsis (A41.8 Sonstige näher bezeichnete Sepsis zusammen mit R65.1! für das SIRS) oder eine akute Bronchitis (J20.8 Akute Bronchitis durch sonstige näher bezeichnete Erreger).

6. Kontaktpersonen eines Coronavirusinfizierten, Infektion ausgeschlossen
Z20.8     Kontakt mit und Exposition gegenüber sonstigen übertragbaren Krankheiten
Z03.8     Beobachtung bei sonstigen Verdachtsfällen
[Hier wird U07.1! bzw. U07.2! nicht verwendet, da das Virus weder durch Test noch klinisch-epidemiologisch bestätigt wurde.]

Aufgrund der generellen Isolierungspflicht wird als Prozedur
8-98g.1        Komplexbehandlung bei Besiedelung oder Infektion mit nicht multiresistenten isolationspflichtigen Erregern – nicht auf spezieller Isoliereinheit
ergänzt, an der 6. Stelle mit der Dauer der Behandlung.
Die Erfüllung der Mindestmerkmale des Kodes ist zu beachten.

 



Alle wichtigen Informationen und Anleitungen zur richtigen Kodierung finden Sie im Kodierleitfaden für die Intensivmedizin. Enthält auch die aktuelle Kodierrichtlinie zur Beatmung!

 

Die Abbildung komplexer Fälle im DRG-System wird darin anhand von Definitionen, Hitlisten und Beispielen anschaulich durch das erfahrene Autoren-Team erklärt. Der Leitfaden stellt nicht nur für die Intensivmedizin wichtige Diagnosen und Prozeduren dar, sondern beschreibt auch ausführlich die Kodierung der Beatmung und der intensivmedizischen Komplexbehandlung und deren Zusammenspiel.

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