PKV: Corona-Leistungen sind höher als es dem Versichertenanteil entspricht

04.09.2020, Rolf Stuppardt, Welt der Krankenversicherung
Krankenversicherung, Coronavirus


Europäische Vergleichszahlen zeigen auffällig gute Schutzwirkungen für Deutschland

Nachweisbar unberechtigt seien verschiedene Vorwürfe, die PKV beteilige sich zu wenig an den Corona-Kosten. Das erläuterte der Direktor des PKV-Verbandes, Dr. Florian Reuther anlässlich einer Online-Pressekonferenz am 3. September. Vielmehr würden die PKV-Unternehmen sogar höhere Zahlungen an das Gesundheitssystem leisten, als es ihrem fast 10-prozentigen Versichertenanteil im Vergleich zur GKV entsprechen würde. Anders als in der GKV seien die Leistungsausgaben der PKV im ersten Halbjahr 2020 im Vergleich zum Vorjahr nicht gesunken, sondern um 690 Millionen Euro auf 14,34 Mrd. Euro gestiegen, was einem Anstieg von 5 Prozent entspreche. Besonders auffällig ist mit 11,6 Prozent der Anstieg bei den Arzneimittelausgaben, was evtl. auf Vorratsaspekte in der Pandemie zurückzuführen sei. Ebenso wie die GKV zahle die PKV für Krankenhäuser bei allen Corona-Zusatzentgelten für die Versorgung der Privatversicherten in vollem Umfang mit. Die Mehrkosten betrügen hier 350 Millionen Euro. Für die Pflegeeinrichtungen kämen nochmals über 130 Millionen Euro Zusatzzahlungen hinzu. Alles in allem sei die PKV an mehr als 98 Prozent der Kosten des Krankenhausrettungsschirms beteiligt. Der Rest betreffe pauschale Zahlungen ohne Bezug auf entsprechende Behandlungsleistungen, die der PKV rechtlich verwehrt seien, zu zahlen. Daher sei man auch bei den pauschalen Zuschüssen zur Schaffung von Intensivbetten nicht einbezogen, was von Kritikern oft betont würde. Das mache aber nur 0,4 Prozent des gesamten Schutzschirms aus. Zur Unterstützung der ambulanten Ärzte und Zahnärzte leistet die PKV für jeden Arztkontakt eine Extravergütung für erhöhten Hygieneaufwand. Diese Sonderzahlung im Rahmen der Gebührenordnung wird die ambulanten Ärzte voraussichtlich mit rund 500 Millionen Euro zusätzlich unterstützen. Für die Zahnärzte kommen rund 120 Millionen Euro hinzu. Und schließlich würde die PKV für erweiterte Telefon- und Video-Sprechstunden der Ärzte während der Corona-Einschränkungen rund 36 Mio. Euro auf. Reuther zitierte den Weltärztepräsidenten Prof. Frank Ulrich Montgomery: „Wir haben diese Krise wegen des gut funktionierenden Gesundheitssystems besser als alle anderen Industriestaaten der westlichen Welt bewältigt.“

Aktuelle Zahlen zum Vergleich der europäischen Staaten in der Covid-19-Pandemie präsentierte Dr. Frank Wild vom Wissenschaftlichen Institut der PKV. Danach weist Deutschland neben Griechenland, Finnland und Österreich ein deutlich unterdurchschnittliches Infektionsgeschehen auf. Auch seien unterdurchschnittlich viele Menschen an Corona verstorben, wohingegen der Anteil der ambulant behandelten Covid-19-Infizierten in Deutschland nach Österreich am höchsten sei. Ebenfalls nach Österreich sind in Deutschland Pflegebedürftige in Pflegeheimen sehr wenig von Corona betroffen. Fazit: Trotz einer vergleichsweise alten Bevölkerung und einem hohen Anteil von Personen mit Risikofaktoren, gelang es Deutschland im Vergleich zu anderen Ländern bislang sehr gut, durch die Corona-Pandemie zu kommen und die besonderen Risikogruppen, z.B. die Personen in den Pflegeheimen, zu schützen. Einen wichtigen Beitrag zur Bewältigung der Corona-Pandemie leistet das finanziell sehr gut ausgestattete Krankenversicherungssystem. Wodurch eine umfassende Testung und Behandlung im ambulant-ärztlichen Bereich möglich wurde, die sich als großer Vorteil gegenüber anderen Ländern erwies.

Anzeige
Anzeige