Gemeinsam für eine bessere Versorgung von Krebspatienten in Europa

09.09.2020, Rolf Stuppardt, Welt der Krankenversicherung
Versorgung

Im Jahr 2020 werden voraussichtlich etwa 2,7 Millionen EU-Bürger an Krebs erkranken und 1,3 Millionen an der Krankheit versterben. Bereits heute leben in Europa rund zwölf Millionen Menschen mit oder nach einer Krebserkrankung. Etwa ein Drittel aller Menschen in Europa muss damit rechnen, im Laufe ihres Lebens an einem bösartigen Tumor zu erkranken. Das stellt die europäischen Gesundheitssysteme auch vor dem Hintergrund des demografischen Wandels vor große Herausforderungen. Daher ist Krebs auch in der deutschen EU-Ratspräsidentschaft 2020 ein zentrales Thema. Das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) veranstaltete aus diesem Anlass gemeinsam mit dem Bundesgesundheitsministerium am 3. September ein Expertentreffen zu der Frage, wie sich Verbesserungen in der Versorgung von Krebspatienten in ganz Europa erreichen lassen. So solle die deutsche EU-Ratspräsidentschaft genutzt werden, um die Weichen zu stellen für einen europäischen Gesundheitsdatenraum. Im Herbst soll zudem der Europäische Aktionsplan zur Krebsbekämpfung verabschiedet werden. Mehrere Krebsexperten wiesen bei der Tagung darauf hin, dass heute noch erhebliche Unterschiede zwischen den einzelnen EU-Staaten bei der Versorgung von Krebspatienten bestehen. Das Ziel sei ein gerechtes, solidarisches Europa, Menschen in allen EU-Staaten müssten im gleichen Maße Zugang zu innovativen Diagnose- und Therapiemethoden erhalten. Wichtig sei es für die Forschung auch, den Austausch medizinischer und wissenschaftlicher Daten über europäische Grenzen hinweg zu fördern und zu koordinieren, betonten die Experten bei der Tagung. Nur durch einen effektiven europäischen Forschungs- und Datenraum lasse sich das Potential neuer Methoden erschließen, etwas der künstlichen Intelligenz zur Unterstützung der Krebsbehandlung. Am Beispiel der europäischen Zusammenarbeit in der Kinderonkologie zeige sich eindrucksvoll, was durch eine solche europäische Vernetzung für krebskranke Kinder erreicht werden kann: Die europäische Registerstudie INFORM trägt dazu bei, für Kinder und Jugendliche, die nach einer Krebserkrankung einen Rückfall erlitten haben, neue Behandlungsmöglichkeiten zu erschließen. Elf europäische Staaten, darunter nun auch Slowenien, arbeiten in dieser in Heidelberg initiierten Studie bereits zusammen.

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