Innovationsfonds-Projekt: „HerzCheck“ mit mobilen MRTs und telemedizinischer Befundung

16.11.2021, Sven C. Preusker
Digital Health, Versorgungskonzepte

Mit dem Projekt „HerzCheck“ sollen Magnetresonanztomografie-Untersuchungen (MRT) des Herzens jetzt auch in ländlichen Regionen Brandenburgs und Mecklenburg-Vorpommerns möglich gemacht werden. Mithilfe mobiler MRT-Einheiten und telemedizinischer Befundung durch Ärztinnen und Ärzte des Deutschen Herzzentrums Berlin (DHZB) soll die frühzeitige Erkennung und Therapie der Volkskrankheit Herzinsuffizienz in ländlichen Regionen deutlich verbessert werden.

Die mobilen MRT-Einheiten können an regionalen Kliniken oder ambulanten Einrichtungen wie Ärztehäusern aufgestellt werden. Der erste mobile Standort des Projektes „HerzCheck“ in Mecklenburg-Vorpommern befindet sich am Kreiskrankenhaus Wolgast. Geschultes medizintechnisches Personal führt in den mobilen Einheiten die MRT-Untersuchung durch. Die Untersuchungsdaten werden dann – unter Beachtung aller Datenschutzvorgaben, wie die Beteiligten betonten – online an das DHZB übermittelt und dort durch ein Fachärzteteam ausgewertet. Die Patientinnen und Patienten sollen dann je nach Schweregrad des Befundes in unterschiedliche Behandlungsgruppen zur wohnortnahen Prävention und Therapie bei Haus- oder Fachärzten eingeteilt werden. Unter Berücksichtigung der Empfehlungen des Befundes legen die behandelnden Ärztinnen und Ärzte vor Ort die notwendigen weiteren ambulanten oder stationären Maßnahmen der Therapie fest. Ein Jahr nach der Erstuntersuchung soll der gesundheitliche Zustand aller Patienten mit auffälligem Befund erneut untersucht und der Therapieerfolg wissenschaftlich evaluiert werden. Auch eine Teilgruppe mit unauffälligem Befund soll als Stichprobe erneut untersucht werden.

Ziel sei es, eine Herzinsuffizienz bei Patientinnen und Patienten mit Risikofaktoren frühzeitig zu erkennen und so die Prognose und die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern. Zudem könnten hohe Folgekosten einer erst spät diagnostizierten Herzinsuffizienz, beispielsweise durch häufige Krankenhausaufenthalte, deutlich gesenkt oder sogar vermieden werden, hieß es von den Beteiligten.

„Das Projekt HerzCheck ermöglicht eine moderne Herzinsuffizienz-Diagnostik direkt vor Ort. Die Geräte für eine magnetresonanztomografische Untersuchung werden dorthin gebracht, wo sie in Praxen oder Kliniken nicht vorhanden sind. So haben Patienten kürzere Wege. Mobile Versorgungsmodelle inklusive telemedizinischer Betreuung sind ein richtiger Weg für unser Land. So kann die flächendeckende medizinische Versorgung in Mecklenburg-Vorpommern weiter gestärkt werden“, sagte der Minister für Wirtschaft, Arbeit und Gesundheit, Harry Glawe, zum Start des Projekts.

Vor allem der Bevölkerung in ländlichen Regionen, in denen keine derartig moderne Infrastruktur wohnortnah zur Verfügung stehe, solle mit dem HerzCheck-Projekt ein mobiles und telemedizinisches Angebot gemacht werden, betonte die ärztliche Direktorin des Kreiskrankenhauses Wolgast, Dr. Maria Zach. „Am Kreiskrankenhaus Wolgast können wir für unsere Patientinnen und Patienten eine qualitativ hochwertige Herzdiagnostik nutzen. In der Fläche besteht diese Möglichkeit sehr häufig nicht. Der MRT-Truck ist landesweit somit eine sinnvolle Ergänzung zu den vorhandenen Kliniken und Praxen.“

Mit der Möglichkeit moderner medizinischer Versorgung soll „HerzCheck“ auch einen Beitrag zur Stärkung der ländlichen Regionen als Raum zum Leben und Arbeiten leisten, hieß es zum Start. Das Projekt unter medizinischer Leitung des Deutschen Herzzentrums Berlin wird vom Innovationsfonds des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) mit gut sieben Millionen Euro gefördert. Konsortialpartner sind die AOK Nordost, die Firma medneo als Betreiberin der mobilen MRT-Systeme und der IT-Technologie, das Herz- und Gefäßzentrum Bad Bevensen, die Universitätsmedizin Göttingen, die Universitätsklinik Köln sowie das Universitätsklinikum Heidelberg.

„Mit den modernen Mitteln ambulanter Diagnostik und mithilfe der Telemedizin können wir Herzinsuffizienz-Patientinnen und Patienten auch in ländlichen Regionen ein optimales Diagnose- und Therapieangebot machen“, sagte Konsortialführer Prof. Dr. Sebastian Kelle, Kardiologe und Oberarzt am Deutschen Herzzentrum Berlin, „gemeinsam mit unseren Kolleginnen und Kollegen vor Ort und auf eine kosteneffiziente und ressourcenschonende Weise. Wir sind überzeugt, mit dem „HerzCheck“-Projekt eine medizinische Versorgungslücke schließen zu können und freuen uns sehr, das Projekt mit Hilfe der Fördermittel des Innovationsfonds umsetzen zu können.“

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