Das Forschungsprojekt Urban Life+ – eine wandelnde Stadtplanung der älter werdenden Gesellschaft

17.11.2021, Susanne Wallrafen, Dipl. Ing. (FH) Bau MRICS. Mustafa Kösebay
Autorenkommentare


Susanne Wallrafen und Dipl. Ing. (FH) Bau MRICS. Mustafa Kösebay

Eine Stadt der Zukunft berücksichtigt auch die Wünsche und Bedürfnisse der fast 30% älterer Einwohner*innen, die es statistisch im Jahr 2040 geben wird. Die Möglichkeit, am soziokulturellen Leben im Quartier, in der Stadt oder der Gemeinde teilzuhaben, ist gerade im Alter von großer Bedeutung, denn mit der Einbindung in die Gemeinschaft und in stabile familiale Strukturen sowie dem Engagement in Vereinen, erfährt der Mensch Sinnstiftung, das Gefühl, gebraucht zu werden und eine Aufgabe zu haben.

Auf der Basis dieser Erkenntnisse wurde im Rahmen des Forschungsprojektes Urban Life+ in den Jahren 2015 bis 2020 ein Modell entwickelt, das die Lebenswelt von älteren Menschen beschreibt. Die vier zentralen Lebensbereiche Gesundheit, Konsum, Kultur und Gemeinschaft bestimmen dabei im Grundsatz die Lebenswelt älterer Menschen. Viele Untersuchungen belegen, dass eine sich wandelnde Stadtplanung in den vergangenen Jahrzehnten die Bedürfnisse der älter werdenden Gesellschaft nur unzureichend und nicht flexibel genug berücksichtigt hat.

Die zunehmende und schnellere Technologisierung unsere Städte macht sich gerade in der Mobilität und der Digitalisierung bemerkbar. War es früher die Trennung von Nutzungen, welche die Stadtentwicklung ausmachte, so ist es heutzutage nur die Harmonisierung der unterschiedlichen Nutzungen in einem Quartier, viel mehr sogar die Ausrichtung auf den Nutzer selber, auf seine Bedürfnisse, seine Lebenssituation. Heutzutage geht es gerade deshalb darum, die Analyse der Bedarfe, der Wohnumgebung im Quartier und die Angebote für eine älter werdende Gesellschaft zu fokussieren. Neben diesen drei Eckpunkten gewinnen die außerhäuslichen Aktivitäten, also die Bewegung außerhalb des Wohnraums an Bedeutung. Dabei sind die altersbedingten Einschränkungen und das stärkere Sicherheitsbedürfnis wesentliche Merkmale, die im Forschungsprojekt analysiert wurden. Gerade im Zuge der Digitalisierung in vielen Bereichen des Lebens können neue Technologien dazu dienen, den Alltag sinnvoll zu unterstützen. Für die Städte und ihre öffentlichen Räume ergibt sich damit ein Paradigmenwechsel: Klassisches Stadtmobiliar wird zu „smartem“ Stadtmobiliar und sorgt dabei messbar für mehr Teilhabe im Alter. Der Einsatz von Mensch-Technik-Interaktion, von Geoinformationssystemen, von Sensorik, Aktoren und Datenapplikationen ermöglicht eine bedarfsgerechte und intuitive Gestaltung des öffentlichen Raums als „Safety Zone“. Der hierfür zugrunde gelegte „Safety Atlas“ ist für Städte, Kommunen und Planer eine Hilfestellung zur Planung des öffentlichen Raums.

Die Verfolgung der ursprünglichen Intention der Pflegeversicherung „Prävention vor Rehabilitation vor Pflege“ ist heute nicht nur notwendiger geworden, sondern allen Beteiligten in Politik, Verwaltungen, Pflegekassen und der Zivilgesellschaft muss klar sein, dass sie auch realisierbarer geworden ist. Präventive Investitionen sind sinnvoll und notwendig und es gibt keinen Erkenntnismangel mehr, der eine weitere Verzögerung der Umsetzung rechtfertigen würde.

Susanne Wallrafen, M.A. und Dipl. Ing. (FH) Bau MRICS.Mustafa Kösebay sind Mitherausgeber des Werkes „Stadt der Zukunft – Smartes Stadtmobiliar für mehr Teilhabe im Alter“, welches Anfang Dezember 2021 bei medhochzwei erscheint.

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