Krisenresilienz statt Status quo

15.08.2022, Prof. Dr. Herbert Rebscher
Autorenkommentare, Versorgungskonzepte, Management

Prof. Dr. h.c. Herbert Rebscher

„Lernen aus der Krise“ ist das Gebot der Stunde. In unserem Gesundheitssystem insgesamt und in den Unternehmen der Gesundheitswirtschaft. Es sind die post-pandemischen Konsequenzen zu analysieren, zu diskutieren, in konkrete Maßnahmen zu übersetzen und verbindlich zu machen. Das Ziel ist eine systemische Krisenresilienz, die vor Funktionsverlust schützt, Krisenmanagement vorbereitet und die Maßnahmen antizipiert. Bisher tendieren Gesellschaften und Unternehmen nach krisenhaften Ereignissen fatalerweise schnell wieder dazu, den Status quo ante wiederherzustellen. Das Restaurative liegt uns wohl näher, weil es in scheinbar bekannte und sichere Bahnen zurückführt.

Doch diese Hoffnung ist  trügerisch, denn der Status quo ante, die gewohnte Normalität, beinhaltet ja gerade all die Gründe, die das aktuelle Krisenmanagement so schwierig macht: fehlende Informationsgrundlagen, schleppende Datenlogistik, unabgestimmte und schlecht organisierte internationale Zusammenarbeit, fehlende Schutzausrüstungen und Unsicherheit bezüglich der Intensivkapazitäten und der Beatmungseinheiten, Zuständigkeitsfragen bei Beschaffungsprozessen, ungeordnete und fragile Logistikketten und fehlende und schlecht kommunizierte Prioritätensetzung bei den Maßnahmen.

Deshalb: wir müssen als Gesellschaft besser vorbereitet sein. Wir müssen Risiken besser einschätzen können und ein Setting von Vorsorgemaßnahmen und Kriseninfrastrukturen vorhalten, um insgesamt resilienter zu werden. „Krisenresilienz“, sie umfasst das permanente  Monitoring geeigneter Daten, regelhafte und eingeübte Reaktionsmuster in der ersten Phase der Krise, der organisierte und schnelle Zugriff auf die vorzuhaltenden Ressourcen der  Kriseninfrastruktur (Schutzausrüstung, Intensivkapazitäten etc.).

Prof. Dr. h.c. Herbert Rebscher ist Professor für Gesundheitsökonomie und Gesundheitspolitik an der Rechts- und Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Universität Bayreuth; Hauptgeschäftsführer der Deutsch-Schweizerischen Gesellschaft für Gesundheitspolitik (DSGG) und Mitautor des Buches "Krisenresilienz – Wie Corona das Krisenmanagement des Gesundheitssystems verändert"

 

Dieser Beitrag stammt aus dem medhochzwei Newsletter 15-2022. Abonnieren Sie hier kostenlos, um keine News aus der Branche mehr zu verpassen!

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