Prospektive regionale Gesundheitsbudgets – Ein Weg zur sektorenübergreifenden Versorgung?

10.03.2020, Prof. Dr. Boris Augurzky
Versorgungskonzepte, Aktuelles aus dem Verlag, Autorenkommentare

© Foto: Sven Lorenz/RWI
 

Die Effizienz der Leistungserbringung konnte in den einzelnen Sektoren des deutschen Gesundheitswesens in den vergangenen Jahren kontinuierlich gesteigert werden. Vor dem Hintergrund einer zu erwartenden weiter steigenden Nachfrage nach Gesundheitsleistungen bei gleichzeitigem Rückgang der personellen Ressourcen in den kommenden Jahren wird die Effizienz jedoch weiter gesteigert werden müssen, wenn eine Rationierung von Leistungen vermieden werden soll. Im internationalen Vergleich liegen in Deutschland die Kosten je Fall aber bereits vergleichsweise niedrig. Eine weitere Steigerung der innerbetrieblichen Effizienz stößt an ihre Grenzen. Ungenügend ist hingegen die Effizienz des Gesamtsystems. Denn eine sektorenübergreifende Optimierung der Gesundheitsversorgung hat bislang kaum stattgefunden. Grund dafür sind die bestehenden Vergütungssysteme, die sektorenübergreifende Angebote faktisch sanktionieren. Eine Alternative können prospektive regionale Gesundheitsbudgets, sogenannte Capitationmodelle, sein.

Hat ein solcher Ansatz aber überhaupt eine Chance? Das Gesundheitswesen ist inzwischen leistungsseitig und regulativ stark aufgebläht, was zu großen Spannungen führt, die in den kommenden Jahren noch zunehmen dürften. Und wenn es kräftig kracht, sind sogar Evolutionssprünge möglich. Daher lohnt es sich, schon jetzt über geeignete Alternativkonzepte nachzudenken. Das vorliegende, von der Stiftung Münch herausgegebene Buch möchte dazu anregen. Es schildert Erfahrungen mit Capitationmodellen, die in anderen Ländern gemacht wurden. Daraus können auch für Deutschland Lehren gezogen werden.

Prof. Dr. Boris Augurzky, Leiter des Kompetenzbereichs Gesundheit am RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung und Geschäftsführer der Institute for Health Care Business (hcb) GmbH sowie Vorstandsvorsitzender der Stiftung Münch

Buchtipp: Im Februar ist das Buch Prospektive regionale Gesundheitsbudgets – Internationale Erfahrungen und Implikationen für Deutschland erschienen, herausgegeben von der Stiftung Münch.

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