Giffey will digitale Kluft in der älteren Generation verringern

21.08.2020, René Adler
Politik & Wirtschaft

Wenn Sie als Abonnent*in unseres Newsletters 65 Jahre oder älter sind, gehören Sie zu den „Silver Surfern" – Senioren, die regelmäßig im Internet unterwegs sind. In wenigen Jahrzehnten werden dies nahezu Alle sein, da sie schon als Kind mit dem Netz in Berührung gekommen sind – die „Digital Natives“. Dass es so weit noch nicht ist, zeigt der Achte Altersbericht, den Bundesseniorenministerin Dr. Franziska Giffey (SPD) vorgestellt hat.

„Die Digitalisierung birgt gerade auch für ältere Menschen ein riesiges Potenzial, das wir noch viel stärker ausschöpfen müssen“, sagte die Politikerin. Es gehe nicht nur um das Skypen mit den Enkelkindern oder Einkaufen übers Internet. „Entscheidend dafür ist, dass wir die digitalen Angebote stärker an den Bedürfnissen ausrichten und die älteren Menschen dabei unterstützen, mit der Entwicklung Schritt zu halten“, so Giffey. „Zugleich gilt es, die digitale Kluft, die es innerhalb der älteren Generation gibt, abzubauen. Wir dürfen nicht zulassen, dass Seniorinnen und Senioren abgehängt werden, dass ihnen der Zugang zu digitalen Angeboten und damit auch zur Teilhabe versperrt ist.“ Umfragen zeigten, dass sich viele Senioren nur schwer in der digitalen Welt zurechtfänden. Insofern sei es sehr bedeutsam, die Digitalkompetenzen älterer Menschen zu stärken.
 
Digitale Spaltung habe „sehr viel“ mit Schichtzugehörigkeit, Bildungsstand und materiellen Ressourcen eines Menschen zu tun, erklärte Prof. Andreas Kruse. Er ist Vorsitzender der Altersberichtskommission und Direktor des Instituts für Gerontologie an der Uni Heidelberg. Wenn Digitalisierung zu mehr Teilhabe und einer besseren medizinischen und pflegerischen Versorgung beitrage, müssten davon alle älteren Menschen gleichberechtigt profitieren.
 
Mithilfe technischer Systeme oder Smart-Home-Technologien, heißt es im Bericht, ließen sich alltägliche Dinge auch im zunehmenden Alter bewerkstelligen. Die digitalen Anwendungsgebiete bei Gesundheit und Pflege seien vielfältig. Sie reichten von elektronischen Patientenakten über virtuelle Arztbesuche bis hin zu Assistenzsystemen im eigenen Wohnzimmer. Um das Potenzial auszuschöpfen, sei die digitale Infrastruktur zu verbessern. Dazu gehörten der Netzausbau besonders in ländlichen Gebieten und die kostenfreie Bereitstellung von Internetzugängen im öffentlichen Raum.
 
Die Bundesarbeitsgemeinschaft der Seniorenorganisationen (BAGSO) forderte analog zum „DigitalPakt Schule“ einen „Digitalpakt Alter“. Der Zugang zum Internet müsse für alle Bürgerinnen und Bürger unabhängig von ihrem Alter gewährleistet sein. „Teilhabe und Teilnahme am konkreten Leben bedeuten Lebensqualität – auch in den Jahren obendrauf. Bescheid wissen, mitreden und mitmachen helfen. Und die neuen Medien sind dabei eine zusätzliche Chance. Auch bei Krankheit und Immobilität können die digitalen Kontakte eine große Hilfe sein“, verdeutlichte der Vorsitzende Franz Müntefering. Dies gelte insbesondere auch für Bewohnerinnen und Bewohner von Pflegeeinrichtungen, die wegen mangelnder Internetverbindungen bislang häufig von digitaler Teilhabe ausgeschlossen seien.
 
Lesen Sie dazu in dieser Ausgabe auch das Interview mit einer Macherin von „Silberdraht“, die Senioren einen Zugang zu Inhalten aus dem Netz verschafft, obwohl diese keinen Internet-Zugang haben.

 

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